Bericht des US-Magazins Newsweek gewinnt an Glaubwürdigkeit
Und es gab offenbar doch Koranschändungen

Das Rote Kreuz stützt den Bericht des US-Magazins "Newsweek", dass in amerikanischen Gefangenenlagern der Koran geschändet worden sei. Die US-Regierung hatte dies dementiert.

jdh/HB GENF. „Ja, wir haben solche Fälle mitgeteilt bekommen“, sagte Vincent Lusser, Sprecher des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), dem Handelsblatt am Donnerstag in Genf. Die Berichte stammten von Gefangenen in Lagern wie Guantanamo, wo die USA mutmaßliche Terroristen festhalten. Es handele sich um den Zeitraum 2001 bis 2003. „Wir informierten die US-Behörden umgehend über die Missstände und glauben, dass die Amerikaner Korrekturmaßnahmen ergriffen haben“, sagte Lusser weiter. Denn später seien solche Beschwerden nicht mehr vorgekommen.

Das Rote Kreuz stützt damit einen Bericht des US-Nachrichtenmagazins „Newsweek“, das über den respektlosen Umgang mit dem Koran in Guantanamo geschrieben hatte. In dem Bericht hatte es geheißen, in einigen Fällen sei der Koran auf Toiletten ausgelegt, in einem Fall sogar hinuntergespült worden. Allerdings zog das Magazin den Bericht auf massiven Druck der US-Regierung wieder zurück. Ein Informant, auf den „Newsweek“ sich bezog, sei sich seiner Sache nicht mehr sicher gewesen, erklärte der Chefredakteur. Der Bericht hatte in der arabischen Welt massive Proteste hervorgerufen. Rot-Kreuz-Sprecher Lusser betonte, er könne den umstrittenen „Newsweek“-Bericht nicht kommentieren.

Ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums erklärte, einige wenige Male habe das IKRK solche Beschwerden von Gefangenen vorgebracht. Allerdings habe das Rote Kreuz solche Beobachtungen nicht selbst gemacht.

Das IKRK wird durch die Genfer Konventionen ermächtigt, Lager mit Kriegsgefangenen zu besuchen. Die IKRK-Delegierten sollen überprüfen, ob die Gefangenen menschlich behandelt werden. Dabei vergewissern sich die Inspekteure auch, dass die Religionsfreiheit in den Lagern beachtet wird. Das IKRK schickt die Berichte an die Regierungen, die die Lager unterhalten. Die neutralen Genfer Helfer versuchen für gewöhnlich so diskret wie möglich, Verbesserungen der Haftbedingungen zu erreichen. Öffentlich geäußerte Kritik könnte Regierungen dazu veranlassen, dem IKRK den Zutritt zu den Lagern zu verweigern.

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