Bevölkerungspolitik in Afrika
„Wir haben die Lage nicht unter Kontrolle“

350 Flüchtlinge starben allein in den vergangenen Tagen im Mittelmeer. Seitdem tobt in Europa eine emotionale Debatte über die Schuld der Europäer und die Politik der EU. Die wahren Gründe für die große Flucht bleiben jedoch zu großen Teilen ausgespart. Was treibt die Menschen zu solch einem Risiko? Eine Spurensuche in Uganda.
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KapstadtMenschen, fast überall nur Menschen. Wer an einem Sonntagabend die knapp 40 Kilometer vom Flughafen Entebbe am Viktoriasee in die ugandische Hauptstadt Kampala fährt, steht nicht nur über weite Strecken im Dauerstau sondern schaut oft auch auf einen wogenden Ozean von Menschen. Sie laufen über den Highway, sitzen auf den klapprigen Motorrädern, die auf dem Seitenstreifen vorbeiknattern oder feiern fast direkt am Straßenrand Party.

Oft steht der Verkehr dreispurig auf der Kampala Road, gegen die eine deutsche Landstraße wie ein breiter Boulevard wirkt. Die Abgase aus den alten Autos und Lastentaxis lassen die Augen tränen und kratzen im Hals. Reichlich benebelt erreicht der Besucher über zwei Stunden nach dem Eintreffen seine Unterkunft im Herzen von Kampala.   

Mit einem Bevölkerungsanstieg von rund 3,5 Prozent gehört Uganda, das Winston Churchill einst als „die Perle Afrikas“ pries, zu jenen Staaten der Welt, deren Bevölkerung besonders rasant wächst. Nur im Sahelstaat Mali wächst die Bevölkerung mit vier Prozent noch schneller.

Während die Gesellschaften im Westen immer mehr altern, brechen sie in weiten Teilen von Afrika unter der Last der vielen Kinder allmählich zusammen  Jeder zweite Ugander ist heute jünger als 15 Jahre. Wenn die Zahl der Menschen weiter so schnell zunimmt, werden aus den heute rund 36 Millionen Ugandern nach offiziellen Projektionen bis 2025 etwa 55 Millionen werden - und sie werden sich bis 2050 sogar auf über 120 Millionen mehr als verdreifachen, in wenig mehr als einer einzigen Generation!

„78 Prozent der Ugander sind heute unter 30“, sagt Monica Amoding, die im ugandischen Parlament eine Art Lobbyistin der Jugend ist. In der Altersgruppe zwischen 18 und 30 seien 83 Prozent arbeits- und mittellos. „Es ist völlig unklar, was uns 50 Jahre nach der Unabhängigkeit unter diesen Umständen für eine Zukunft erwartet“ resümiert die Parlamentariern schonungslos offen.   

Es sind Menschen wie die in Uganda, die ihrer Heimat verzweifelt den Rücken kehren und auf der Suche nach einem besseren Leben nach Norden fliehen. Unter Strapazen und hohen finanziellen Opfern ziehen sie oft wochenlang durch die Sahara, um mit Hilfe skrupelloser Schlepper über das Mittelmeer in das vermeintlich gelobte Europa zu gelangen.

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  • Na Klasse, und deutsche Städte sehen binnen spätestens 10 Jahren aus wie das Zentrum und die Ortsteile Hillbrow und Berea von Johannesburg, nachdem sich die Obdachlosenlawine aus den Townships dorthin ergossen hat! Schicken wir lieber Frau Roth und ihre Mitgrünen Einwanderungsbejaher dorthin zum Straße fegen und Exkremente von dem, was von Bürgersteigen übrig geblieben ist, entfernen. Wäre viel sinnvoller und produktiver. Das Problem wäre nur, daß sie nach dem ersten Überfall und Tracht Prügel wahrscheinlich auf dem ersten Flieger das Land fluchtartig verlassen würden, und zwar nach Hause in das ach so asylantenfeindliche Paradies.

  • Und schon haben wir einen Interessenkonflikt. Womit Sie aber nicht an der Tatsache vorbeikommen, dass sich die Menschen nahezu wie die Fliegen vermehren. Wir könnten uns auch zurücklehnen und das Ganze als eine Art Schauspiel einfach nur beobachten, denn was dort geschieht, ist die Wiederholung unserer eigenen Geschichte hier in Europa. Über zahllose Kriege und Leid hat sich Europa zu dem geformt, was es heute ist. Und wir sind drauf und dran, all die "zivilisatorischen Errungenschaften" aufs Spiel zu setzen, um exakt wieder da zu landen, wo sich Afrika heute befindet. Die Geschichte hat uns aber auch gelehrt, dass es immer Epochen gab, in denen sich höher entwickelte Gesellschaften durch den Bau eines Schutzwalls absichern mussten. Erinnert sei an die chinesische Mauer, der Wall der Römer durch Europa, der Zaun der USA zu Mexiko. Die Nationen Afrikas müssen sich auf ihre eigene Entwicklung konzentrieren. Wir haben ihre Kultur zu respektieren. Auch wenn ich mich hier wiederhole, wir sind nicht der Retter der Welt und dürfen uns nicht ständig mit Schuldgefühlen belasten.
    Es ist ein sehr weiter und beschwerlicher Weg. Millionen werden mit oder ohne unser Zutun vor unseren Augen dahinsiechen. Selbst wenn wir all unser Hab und Gut spenden, sie mit Lebensmitteln zuschütten, ändert es nichts an der Mentalität dieser Menschen. Sie müssen notgedrungen ihren eigenen Weg über die verwesenden Leichen ihrer Mitmenschen finden, aus der Barberei in eine Zivilisation.

  • Europa ist ein Einwanderungskontinent und Deutschland sollte endlich das größte Einwanderungsland werden.Wir reichen Deutschen sollten, nachdem wir quasi über Nacht schon eine Energiewende und auch die Rettung des Euro gemeistert haben, in einer großen finalen Kraftanstrengung auch die Asyl- und Einwanderungsprobleme der Welt lösen. Da sollten wir uns nicht so anstellen! Deshalb schlage ich vor, daß wir pro Einwohner ein bis zwei Asylanten oder Zuwanderer aufnehmen. Damit könnten wir etwa 160 Mio Menschen eine schöne neue Heimat bieten und das Zuwanderungsproblem der Welt wäre quasi im Handumdrehen gelöst. Mit Claudia und Martin habe ich schon gesprochen, die machen mit. Jetzt müssen wir nur noch schnell die politischen Grundlagen schaffen. Und bevor das nächste Schiff irgendwo versinkt, haben wir es mit vereinten Kräften geschafft.
    Freundschaft!

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