Bo Xilai abgesetzt
Das Ende eines chinesischen Politstars

Ein Machtkampf ist entschieden, ein Politstar ist am Ende. Mit der Absetzung des gewichtigen Spitzenpolitikers Bo Xilai endet ein langes Gezerre in Chinas neuer Führungsgeneration. Eine wichtige Richtungsentscheidung.
  • 2

PekingDer Machtkampf in Chinas künftiger Führungsgeneration ist entschieden. Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei setzte den ehrgeizigen Spitzenpolitiker Bo Xilai als Parteichef der Metropole Chongqing ab, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch berichtete. Nach einem Skandal um seinen Polizeichef und Spekulationen um Korruptionsvorwürfe wurde das Politbüromitglied von Vizepremier Zhang Dejiang ersetzt.

Der Personalwechsel dürfte das Ende der Karriere des aufsteigenden Stars in der Partei bedeuten, der für einen linkskonservativen Kurs stand. Beobachter gingen davon aus, dass er voraussichtlich auch seinen Sitz im Politbüro verlieren wird. Bo Xilai hatte bis zuletzt um seinen Platz in der künftigen Führungsgeneration und sein politisches Überleben gekämpft. Der 62-Jährige ist Sohn des legendären Revolutionärs Bo Yibo, der einst zu den „acht Unsterblichen“ der kommunistischen Machtelite gehörte.

Um den „Prinzling“ und seinen als „Super-Bullen“ bekanntgewordenen Polizeichef Wang Lijun hatte sich der bisher größte Skandal im Umfeld der künftigen Führungsgeneration entwickelt. Da Bo Xilai in Chongqing eine spätmaoistische, ideologische Kampagne verfolgt, nährte das Tauziehen um sein Schicksal auch Spekulationen um Richtungskämpfe in der künftigen Führung um Vizepräsident Xi Jinping. Der „Kronprinz“ soll auf dem Parteitag im Herbst im Rahmen eines lange vorbereiteten Generationswechsels das Ruder übernehmen.

Mit der Absetzung des charismatischen Politikers und früheren Handelsministers Bo Xilai war bis nach Abschluss der Tagung des Volkskongresses am Mittwoch gewartet worden, um das wichtige politische Jahrestreffen nicht zu überschatten. Auf seiner Abschlusspressekonferenz hatte Regierungschef Wen Jiabao den Parteichef der 32-Millionen-Metropole wegen des Skandals schon deutlich kritisiert. Die Parteiführer von Chongqing müssten „ernsthaft über den Zwischenfall nachdenken und Lehren daraus ziehen“, sagte Wen Jiabao ungewöhnlich offen.

Der Polit-Thriller begann im Februar mit der Flucht des „Super-Bullen“ in das amerikanische Konsulat in Chengdu. Es folgte eine diplomatische und politische Krise. Angeblich soll Wang Lijun um sein Leben gefürchtet und Asyl gesucht haben. Nach einem Tag begab er sich nach US-Angaben freiwillig in die Obhut der Pekinger Zentralregierung. Nach unbestätigten Berichten soll Wang Lijun auch Belastungsmaterial gegen seinen früheren Chef Bo Xilai haben, den er als „größten Mafia-Boss“ beschrieben haben soll.

Die Entsendung von Vizepremier Zhang Dejiang aus Peking deutet darauf hin, dass die Zentralregierung jetzt in Chongqing aufräumen will, wie Beobachter meinten. Bo Xilai sowie sein alter Weggefährte Wang Lijun waren zentrale Figuren im Kampf gegen organisiertes Verbrechen in der aufsteigenden Metropole. Ihr Vorgehen gegen Korruption und das alte Beziehungsgeflecht von Justiz, Wirtschaft, Polizei und Politik in Chongqing war wegen harter und angeblich auch nicht immer legaler Methoden ins Schussfeld der Kritik geraten.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bo Xilai abgesetzt: Das Ende eines chinesischen Politstars"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Die Zeit" kommentiert die politische Lage in China im Vergleich zu der in Amerika wesentlich interessanter: "In Amerika ist der ungewisse Wahlausgang ein Grund zum Feiern, in China ist er Grund zum Fürchten."
    Das ist wirklich ein guter globaler Krimi, der uns da momentan vorgespielt wird. Demokratie und Kommunismus lassen sich doch per Definition nicht vereinigen. Wir werden sehen.

  • Eine bemerkenswerte Personalentscheidung, die auf weitere marktwirtschaftliche Reformen hindeutet, an deren Ende ("Wandel durch Handel") in der langen Frist auch eine demokratischere KP stehen könnte, obwohl dies eigentlich ein Antagonismus ist, wobei das Ergebnis nicht unbedingt den westlichen Vorstellungen einer lupenreinen Demokratie entsprechen muss.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%