Bombenexplosionen
Dutzende Menschen sterben bei Anschlagsserie im Irak

Eine Serie von Anschlägen hat mindestens ein Dutzend Iraker das Leben gekostet. In mehreren Städten detonierten Sprengsätze kurz vor Sonnenuntergang. Allein im Juli starben bereits 300 Menschen bei Explosionen.
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BagdadDie Gewalt im Irak reißt nicht ab: Bei einer Serie von Bombenschlägen im Süden des Landes sind mindestens 14 Menschen getötet und 64 weitere verletzt worden. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Die Kollegen von Reuters schreiben sogar von 24 Toten Die Sprengsätze detonierten am Sonntag kurz vor Sonnenuntergang, sagten Vertreter der Sicherheitsbehörden. Zu der Zeit kommen die Muslime im Ramadan zum Fastenbrechen zusammen.

Der schlimmste Anschlag ereignete sich in der vor allem von Schiiten bewohnten Stadt Kerbala. Dort explodierte eine Autobombe nahe eines Marktes. Sieben Menschen starben, elf weitere wurden verletzt. In Nasiriya, rund 400 Kilometer südlich der Hauptstadt Bagdad, detonierten zwei Autobomben gleichzeitig vor einer Gewerkschaftszentrale. Die Sprengsätze rissen zwei Menschen in den Tod, 25 wurden verletzt.

Auch in den Städten Kut und Hilla gingen Autobomben hoch. Dabei kamen fünf Menschen ums Leben, 28 weitere wurden verletzt. In Basra im Süden des Landes soll es ebenfalls Explosionen gegeben haben. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von acht Toten.

Der Konflikt zwischen den Anhängern der verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen ist in den vergangen Monaten im Irak eskaliert. Zuletzt verübten Attentäter in dem Land nahezu täglich Anschläge. Allein am Freitag kamen bei einer Bombenserie landesweit 61 Menschen ums Leben.

Am Samstagabend detonierten in der Hauptstadt Bagdad in der Nähe zweier sunnitischer Moscheen Sprengsätze. Mindestens 23 Menschen, die sich zum Gebet im Fastenmonat Ramadan versammelt hatten, seien ums Leben gekommen, teilten die Polizei und Rettungskräfte mit. „Eine Bombe ging hoch, als Gläubige die Moschee Chalid Bin al-Walid verlassen haben“, berichtete ein Polizist über den Anschlag in Dura, einem Viertel im Süden Bagdads. Ein Selbstmordattentäter habe sich in die Luft gesprengt. „Durch die Wucht der Explosion wurden Leichen zurückgeschleudert“, sagte der Polizist. In Stadtteil Dschaima im Westen Bagdads detonierte ein mit Sprengstoff beladenes Auto vor der Mulla-Hwesch-Moschee. Zudem kamen am Samstag in anderen Landesteilen insgesamt fünf Polizisten bei gewaltsamen Zwischenfällen ums Leben.

Seit Beginn des Jahres werden im Irak fast täglich Anschläge verübt. Seit Mai starben nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als 1000 Menschen bei Attentaten im Irak. Allein im Juni starben 761 Menschen, im Juli sind es bislang über 300.

Grund sind die wachsenden Spannungen zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden. Viele Anschläge werden sunnitischen Aufständischen angelastet. Sie fühlen sich von der schiitischen Mehrheit unterdrückt, die nach dem Sturz des Diktators Saddam Hussein im Jahr 2003, eines Sunniten, das Sagen hat. Etwa 97 Prozent der Iraker sind Muslime – zwei Drittel davon Schiiten und ein Drittel Sunniten.

Hinzu kommen die Spannungen zwischen Kurden und Schiiten. Um den Status von Kirkuk streiten sich seit Jahren die schiitisch-geführte Regierung in Bagdad und die Kurden, die Kirkuk ihrer Autonomen Region Kurdistan im Norden des Irak einverleiben wollen. Dass Kurden, Schiiten und Sunniten noch immer keinen Kompromiss gefunden haben, wie sie die Macht teilen sollen, nährt die Sorge, dass der Irak zehn Jahre nach der US-geführten Invasion und dem Sturz Saddams auseinanderbrechen könnte.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • S. 22 - Wie funktioniert Ortung? Per Triangulation?

    http://waste.informatik.hu-berlin.de/lehre/ss06/SE_ueberwachung/telefon.pdf

    http://central.banktunnel.eu/20130714-2152-ecbint-pROOF-OF-LIFE.jpg

  • O-Ton Handelsblatt
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    Dass Kurden, Schiiten und Sunniten noch immer keinen Kompromiss gefunden haben, wie sie die Macht teilen sollen, nährt die Sorge, dass der Irak zehn Jahre nach der US-geführten Invasion und dem Sturz Saddams auseinanderbrechen könnte.
    -------------------

    Was heißt da "Sorge"?

    Der Irak ist ein postimperialer Kunststaat.

    Kurdistan zwischen Irak, Syrien, dem Iran und der Türkei aufzuteilen war ein schweres Verbrechen der Engländer.

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