Bonität herabgestuft
Ungarn steuert auf Ramsch-Status zu

Ungarn geht harten Zeiten entgegen. Die Ratingagentur Moody's sieht die Kreditwürdigkeit des Landes kritisch und senkte das Rating des osteuropäischen Landes am Montag auf Baa3. Damit liegt das Land nur noch eine Note über "Ramsch-Status".
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HB/zel BUDAPEST. Zur Begründung verwies Moody's auf die langfristigen haushaltspolitischen Sorgen. Auch sei das Land in mehrerer Hinsicht mit Blick auf externe Risiken anfällig. "Die Herabstufung hat vor allem mit dem zwar langsamen, aber deutlichen Verlust an Finanzkraft der ungarischen Regierung zu tun", teilte die Agentur mit. Die Konsolidierungsstrategie sehe vor allem temporäre Maßnahme vor, beinhalte aber kaum Vorschläge für eine nachhaltige Sanierung. Sollte die Regierung es versäumen, ihre finanzielle Stärke wiederherzustellen, könnten weitere Herabstufungen folgen.

Die konservative ungarische Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orban vertreibt mit ihrer umstrittenen Wirtschaftspolitik ausländische Investoren. Einflussreiche Finanz- und Bankengruppen warnen inzwischen vor neuen Investitionen in Ungarn. Sogar die ansonsten sehr zurückhaltende Deutsch-Ungarische Handelskammer beschwert sich offen über die Regierungspolitik. Die Notenbank in Budapest reagierte in der vergangenen Woche mit einer Leitzinserhöhung (5,50 Prozent) auf die Regierungsbeschlüsse. Es war die erste Leitzins-Erhöhung seit zwei Jahren in dem wirtschaftlich angeschlagenen Land. Wegen der hohen Arbeitslosigkeit und des schwachen Wirtschaftswachstums bräuchte Ungarn eigentlich niedrige und keine steigenden Zinsen.

Auslöser der jüngsten Unruhe an den Finanzmärkten war der von der Budapester Regierung angekündigte Umbau des ungarischen Rentensystems. Die drei Millionen Versicherten der privaten Rentensäule werden zum Wechsel in das staatliche System und zur Aufgabe der privaten Renten gezwungen. Wer sich als Versicherter nicht darauf einlässt, verliert seine Ansprüche aus der ersten staatlichen Säule. Der Umbau des Rentensystems dient vor allem dazu, dass staatliche Haushaltsdefizit auszugleichen. Das Geld aus den privaten Rentenkassen, umgerechnet knapp drei Milliarden Euro, soll in den Staatshaushalt fließen.

Der Verband privater ungarischer Rentenversicherungsträger sprach von "Erpressung". Die Unternehmen, darunter auch ungarische Tochtergesellschaften von Allianz und Münchener Rück, wollen vor das Verfassungsgericht und den Europäischen Menschengerichtshof in Straßburg ziehen. Private Rentenfonds waren Ende der 90er-Jahre als zusätzliche Alterssicherung in Ungarn eingeführt worden.

Investoren und Finanzexperten erinnerten an Argentinien, das vor bald zehn Jahren auch die privaten Rentenkassen aufgelöst und zwangsverstaatlicht hatte. Das französische Investmenthaus Cheuvreux, ein Tochter des Bankkonzerns Crédit Agricole, ruft ihre Investoren zum Rückzug aus Ungarn auf. Osteuropa-Analyst Simon Quijano-Evans sprach gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg von einer "kompletten Unvorhersehbarkeit" künftiger Regierungsentscheidungen. Anleger sollten ihre ungarischen Vermögenswerte deshalb verkaufen.

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  • Guten Tag,.... Ungarn ? !. Weshalb Ungarn. ich glaube nicht dass wir so weit gehen muessen. belgien liegt vor der Haustuer. besten Dank

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