Bonuszahlungen
Schweizer Finanzaufsicht rudert zurück

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma hat ihre ursprünglichen Pläne für Vergütungen in der Finanzindustrie entschärft. Anders als geplant, sollen nur die sieben größten Banken und die fünf größten Versicherungen des Landes den Leitlinien der staatlichen Gehaltspolitik folgen. Kleinere Finanzinstitute bekommen damit einen Freibrief.
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ZÜRICH. Inhaltlich folgt die Finma den Vorgaben des Financial Stability Boards, das im Auftrag der 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20) Reformvorschläge für die Bezahlung von Bankern auf den Tisch gelegt hat. Kerngedanke ist, die Vergütung stärker an den langfristigen Erfolg der Finanzinstitute zu koppeln.

Nach Ansicht der G20 waren falsche Anreizstrukturen bei der Entlohnung der Banker eine der Hauptursachen der Finanzkrise. Insbesondere hohe Bonuszahlungen für riskante Geschäfte soll es künftig nicht mehr geben. „Ein Hauptaugenmerk liegt auf den variablen Vergütungen“, schreibt die Finma. Boni sollten abhängig vom wirtschaftlichen Erfolg sein, wobei die Nachhaltigkeit des Erfolges und die eingegangenen Risiken berücksichtigt werden müssten. Allerdings verzichten die Schweizer darauf, Obergrenzen für Boni zu setzen. Auch einen Gehaltsdeckel wird es nicht geben. Rückzahlungen von Erfolgsprämien sind möglich, aber nicht zwingend. Die beiden Großbanken Credit Suisse und UBS haben ihre Vergütungssysteme bereits an die neuen internationalen Leitlinien angepasst.

Die Banken zeigten sich zufrieden mit der entschärften Vergütungsrichtlinie. „Wir begrüßen, dass die Finanzmarktaufsicht unsere Kritikpunkte berücksichtigt hat“, sagte Thomas Sutter, Sprecher der Schweizerischen Bankiervereinigung. Die Bankenlobby hatte sich zuvor massiv dagegen gewehrt, die Entlohnung der Banker zu deckeln und kleinere Institute mit einzubeziehen. Allerdings müssen die kleineren Kantonal- und Genossenschaftsbanken künftig mehr Eigenmittel vorhalten. Die Bundesregierung in Bern hat beschlossen, dass der staatliche „Discount“ von 12,5 Prozent auf das Mindestkapital der Kantonalbanken entfällt. Raiffeisen-Institute können künftig nicht mehr die Nachschusspflichten ihrer Genossen als Eigenkapital anrechnen.

Kritik an der Reform kam von politischer Seite. Die Richtlinie sei ein „Feigenblatt“, monierten die Sozialdemokraten. Man habe die Chance verpasst, die Boni zu begrenzen. Die Finma steht seit Monaten am Pranger, weil sie angeblich zu zahm mit den Banken umgeht. Kritiker bemängeln, dass mit Eugen Haltiner ein Ex-UBS-Banker die Aufsicht leitet. Vor kurzem wechselte mit Mark Branson ein zweiter UBS-Banker die Geschäftsleitung. Der Bundesrat hat jetzt beschlossen, das Verhalten der Aufseher während der Krise durch eine Expertenkommission untersuchen zu lassen.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent

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