Brasilien
Die vergessene Weltmacht

Kanzlerin Angela Merkel folgt dem Ruf der Wirtschaft und sucht die Nähe Chinas. Andere aufstrebende Wirtschaftsnationen fühlen sich vernachlässigt. Darunter leiden unter anderem die deutsch-brasilianischen Beziehungen.
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Deutschland und Brasilien verstehen sich eigentlich prächtig. Beide Länder tauschen sich so intensiv aus wie Jahrzehnte nicht mehr. 60 offizielle Delegationen aus Deutschland besuchten Brasilien letztes Jahr. Brasilien war gerade Cebit-Partnerland, nächstes Jahr wird es Gastland der Buchmesse in Frankfurt sein. 2013/2014 findet ein Deutschland-Jahr in Brasilien statt. Nach dem Deutsch-Brasilianischen Wissenschaftsjahr wurde 2011 in São Paulo das deutsche Wissenschaftshaus eröffnet.

Umso mehr erstaunt angesichts dieser intensiven Beziehungen, dass es zwischen beiden Ländern auf der höchsten politischen Ebene zunehmend knirscht. So sagte bei den 30. Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstagen in Frankfurt jetzt der brasilianische Entwicklungsminister Pimentel einen Tag vorher ab. Die seit Jahrzehnten parallel tagende hochrangige Gemischte Wirtschaftskommission wurde genauso kurzfristig um drei Monate verschoben. Für deutsche Delegationen wird es in der letzten Zeit schwieriger, offiziell empfangen zu werden. Die Verhandlungen über das von Deutschland 2005 gekündigte Doppelbesteuerungsabkommen mit Brasilien stecken fest. Brasilien ist das einzige BRIC-Land, mit dem Deutschland kein Abkommen hat. Auch deutsche Unternehmen, die von Staatsaufträgen abhängen, klagen hinter vorgehaltener Hand, ihnen blieben bei der Regierung die Türen verschlossen.

Im brasilianischen Außenministerium sind die Beamten fast undiplomatisch offen, um den Grund für die deutsch-brasilianische Missstimmung zu benennen: Sie kritisieren die fehlende Sensibilität im Kanzleramt im Umgang mit Brasilien. Es reiche nicht mehr, die 2008 beschlossene strategische Partnerschaft zwischen Deutschland und Brasilien mit Gesten und wohlmeinenden Aktionen zu füllen.

Brasilien wurmt das demonstrative Desinteresse Merkels an Brasilien und der Region. Während sie als Kanzlerin zum sechsten Mal offiziell nach China reist, hat sie Brasilien bisher nur einmal auf einer Lateinamerika-Rundreise für eineinhalb Tage besucht. Die Brasilianer sind düpiert, dass die Kanzlerin dem Koalitionspartner FDP das Thema Brasilien und Lateinamerika als Spielfeld überlassen hat. Doch Minister Westerwelle beschäftigen eher hauseigene Probleme, wenn er in der Region auftritt. Zudem nutzt er Lateinamerika, um Parteifreunde mit Botschaftsposten zu versorgen.

Kommentare zu " Brasilien: Die vergessene Weltmacht"

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  • Bravo ! Alexander Busch hat eine "diplomatische" Warnung an die BRD erteilt. Hier meine "undiplomatische" Beobachtung: BRD ist jetzt als "Trojanisches Pferd" der USA und NATO in Lateinamerika bemerkt. Hunderte deutsche"Freie Journalisten", "Helfer", "Wissenschaftler", Diplomaten, und besonders Priester - wirken mit NATO-NROs welche "indirekt" die nationale Einheit und Entwicklungsprojekt laehmen : Selbst wenn dabei der BRD Wirtschaft ein Schaden entsteht! Die USA verwendet die weniger auffaelligen "Alemanes": KAS/Rio soll die NATO Ausdehnung erzwingen. In Brasilia organisierte der BRD Botschafter mit den EU-NATO Botschaftern eine Ehrung der "Gruenen" Marina da Silva - zwielichtige Bugfigur der hunderte NROs der U.S, Britaniens, Niederland, und BRD, welche Brasilien laehmen und untergraben mit dem Vorwand "Umwelt" und "Indigenenschutz". Marina da Silva ist die Erzgegnerin der Regierung der Presidenta Dilma Rousseff und versucht seit Jahren alle deren nationalen Entwicklungsprojekte geopolitisch (durch "fremde" NROs) zu laehmen. Dabei kommt die Finanzierung fuer diese Subversion der NROs "indirekt" von der BRD Regierung, weil das Ausenamt und BND in erster Linie fuer die USA wirken.

  • Ich habe sehr lange in Brasilien gelebt. Brasilien ist selbstbewusster geworden und möchte auf Augenhöhe Politik machen. Frau Merkel ist lieber bei Obama, Hollande oder in China. Sie hat nicht mal den Rio+20 UN-umweltgipfel besucht! Wenn die USA Gastgeber gewesen wären, würde sie ganz bestimmt mit dabei sein. Übrigens Deutschland könnte viel von Brasilien lernen. Kinder von Deutschen oder Türken, die dort geboren werden sind Brasilianer und sie stehen 100% dazu!

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