Finanzexpertin Sandra Navidi
„Auch ein Lehman-Moment ist nicht auszuschließen“

Börsianer warten gebannt auf das Abstimmungsergebnis aus Großbritannien. Auch Finanzexpertin Sandra Navidi ist gespannt, schließlich könnten die Märkte heftig reagieren – so heftig wie zu Hochzeiten der Finanzkrise.

Die Finanzexpertin Sandra Navidi lebt seit 16 Jahren in New York, doch in ihrer deutschen Heimat ist sie noch immer sehr verwurzelt. Mit Interesse verfolgt sie die Diskussionen über die Brexit-Abstimmung - und sieht Parallelen zur politischen Stimmung in den USA.

Frau Navidi, die Abstimmung der Briten über den Brexit ist in Europa das große Thema. Spielt es auch an der Wall Street eine Rolle?
Selbstverständlich, das spielt eine sehr große Rolle, nicht nur für Großbritannien selbst, sondern auch für Europa. Amerika braucht ein wirtschaftlich und politisch starkes Europa, und noch größere Marktschwankungen würden die bestehende Fragilität nur noch weiter verstärken

Wie nehmen Sie als Deutsche die Brexit-Debatte wahr? Sie leben ja schon lange in den USA…
Ich lebe schon seit 16 Jahren in den USA, aber ich bin natürlich noch sehr in Deutschland verwurzelt. Ich sehe die Debatte im Grunde genommen als Symptom einer Anti-Establishment-Bewegung, wie wir sie weltweit sehen – wie Trumpism oder das Erstarken extremer Parteien in vielen Ländern. Die Brexit-Befürworter sind weniger von sachlichen Argumenten, als von emotionalen Beweggründen getrieben. Es sind im Wesentlichen die Globalisierungsverlierer, die den Politikern vorwerfen, ihre Interessen nicht zu vertreten. Selbst dass der Brexit negative wirtschaftliche Konsequenzen haben könnte, ist für sie zweitrangig, weil sie bisher auch nicht am Aufschwung teilhaben.

Glauben Sie, dass es zum Brexit kommt?
Ich glaube eher nicht, dass es dazu kommen wird. Am Ende haben die Menschen dann doch zu viel Angst vor der den ungewissen Folgen. Aber es gibt auch einen riesigen Teil, der noch unentschieden ist. Und niemand kann sagen, wie diese Menschen sich letztendlich entscheiden.

Mit welchen Marktreaktionen rechnen Sie?
Wenn es nicht zum Brexit kommt, wird sich die Volatilität wahrscheinlich wieder einpendeln.

Keine Erleichterungs- oder Erholungsrally?
Möglich. Es gibt aber auch noch genügend andere Unsicherheitsherde. Langfristige Euphorie wird deshalb vermutlich nicht aufkommen, auch wenn eine kurze Erleichterungsrally wahrscheinlich erscheint. Aber wenn die Briten sich für den Austritt aus der EU entscheiden, das wäre schlimm.

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„Donald Trump hält uns auf Trab“

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„Die Volatilität wird volatiler“

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