Briefträger, Maurer und Adelige
Schaulaufen der Außenseiter

Vom trotzkistischen Briefträger bis zum nationalistischen Adligen ist im Wahlkampf fast alles vertreten - die französische Präsidentschaftswahl ist auch ein Schaulaufen der Außenseiter. Ein Gesetz garantiert allen zwölf Kandidaten die gleiche Präsenz in den öffentlich-rechtlichen Medien.

ap PARIS. In den allabendlichen Nachrichten werben seit zwei Wochen neben den Favoriten auch jede Menge Politiker für ihr Anliegen, die nicht die geringste Aussicht auf ein Ergebnis jenseits von fünf Prozent haben - unter ihnen ein militanter Bauernführer, ein trotzkistischer Briefträger und ein nationalistischer Adliger.

Als letztem war es dem Globalisierungsgegner José Bové gelungen, die notwendigen 500 Empfehlungen von Mandatsträgern zusammen zu bekommen, um für die Wahl zugelassen zu werden. Der schnurrbärtige Schafzüchter empfiehlt sich als „Waffe für diejenigen, die mit dem liberalen System brechen wollen“. Weil er ein Feld mit genmanipuliertem Mais verwüstet hat, muss der 53-Jährige nach dem Wahlkampf ins Gefängnis.

Weniger militant aber nicht minder revolutionär ist Olivier Besancenot. Obwohl erst 32 Jahre alt, schickt die Revolutionäre Kommunistische Liga (LCR) den Postbooten schon zum zweiten Mal ins Rennen. Ein zentrales Wahlversprechen des eloquenten Trotzkisten: Die Abschaffung des Präsidentenamtes.

Auch die ehemalige Sportministerin Marie-George Buffet zählt zu den „Antiliberalen“. Die 57-Jährige machte sich in der Regierung Jospin durch ihren Kampf gegen Doping einen Namen, konnte aber den Sturz ihrer Kommunistischen Partei (PCF) in die Bedeutungslosigkeit nicht stoppen.

Um Aufmerksamkeit muss nicht zuletzt der selbst ernannte „Kandidat der Bürgermeister“ Gérard Schivardi schwer kämpfen, der sich per Gerichtsbeschluss nur noch „Kandidat für die Bürgermeister“ nennen darf. Er versucht es vor allem durch eine fundamentale EU-Kritik. Der parteilose Maurer und Bürgermeister wird von der trotzkistischen Arbeiterpartei (PT) unterstützt.

Die „Mutter unter den Kandidaten“ ist die unverwüstliche Arlette Laguiller. Die Chefin der trotzkistischen Partei Lutte Ouvrière (Arbeiterkampf) trat 1974 als erste Frau bei einer Präsidentschaftswahl an, in diesem Jahr ist sie zum sechsten und letzten Mal im Rennen, ein Rekord. 2002 erhielt die 67-Jährige Rentnerin, die in einer Sozialwohnung lebt, fast sechs Prozent der Stimmen. Sie will Entlassungen verbieten und alle Löhne um mindestens 300 Euro anheben.

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