Bürgerkrieg
Bundeswehr beginnt mit Evakuierung im Südsudan

Das Blutvergießen in Südsudan geht weiter. US-Präsident Obama sieht das Land „am Abgrund“. Drei indische UN-Soldaten sterben bei den Kämpfen. Deutsche und andere Ausländer werden ausgeflogen.
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Berlin/JubaDie Bundesrepublik hat mit der Evakuierung deutscher Staatsbürger aus dem umkämpften Südsudan begonnen. „Eine deutsche Maschine ist im Augenblick in Juba gelandet und die Operation läuft“, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am Freitag in Berlin. Im Laufe der kommenden Stunden würden 55 Europäer nach Entebbe in Uganda in Sicherheit gebracht. Beim Großteil der Evakuierten handle es sich um deutsche Staatsbürger, an Bord des Flugzeuges seien aber auch Franzosen, Schweizer und Niederländer. Voraussichtlich am Freitag oder am Samstag werde es einen weiteren Evakuierungsflug geben. Insgesamt sollten bis zu 100 Deutsche ausgeflogen werden.

Die Bundeswehr hatte nach dem jüngsten Ausbruch der Gewalt im Südsudan zwei Flugzeuge in die Hauptstadt geschickt, um Deutsche und andere Europäer in Sicherheit zu bringen. An der Evakuierung seien 24 Soldaten mit einem Transall-Transportflugzeug aus dem Einsatz in Mali sowie einer kleinen Regierungsmaschine des Typs Global 5000 beteiligt, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos. Die Soldaten seien nur zum Eigenschutz bewaffnet. Unter ihnen seien die Besatzungen der Flugzeuge, ein Arzt sowie Soldaten, die den Kontakt zur Botschaft hielten.

Dagegen sollen 16 deutsche Soldaten, die als Teil des UN-Einsatzes UNMIS im Südsudan Dienst tun, vor Ort bleiben. Die Vereinten Nationen hätten entschieden, dass die Mission fortgesetzt werde, sagte der Sprecher. Nur wegen Weihnachtsurlauben werde sich die Zahl der deutschen Truppen in den kommenden Tagen vorübergehend verringern. Die Bundeswehr-Soldaten arbeiten teils großflächig über das Land verteilt als Militärbeobachter und teils im UN-Hauptquartier in Juba. Alle seien sicher in UN-Einrichtungen und zu allen bestehe Kontakt, sagte der Sprecher.

In dem erst seit zwei Jahren unabhängigen Südsudan kämpfen Soldaten gegeneinander. Ein Teil von ihnen steht loyal zu Präsident Salva Kiir, die übrigen sind Anhänger des im Juli entlassenen Vizepräsidenten Riek Machar. Seit Anfang der Woche starben in dem Konflikt nach Angaben der Vereinten Nationen etwa 500 Menschen, Zehntausende brachten sich in Lagern der UN in dem Land in Sicherheit. Die Kämpfe weiteten sich auch auf die wichtigen Ölvorkommen des Landes aus. Der Südsudan ist BP-Berechnungen zufolge das afrikanische Land südlich der Sahara mit den drittgrößten Ölvorkommen nach Angola und Nigeria.

Angesichts der anhaltenden Kämpfe im Südsudan forderte US-Präsident Barack Obama die Konfliktparteien zu Verhandlungen und einem Ende der Kämpfe auf. „Südsudan steht am Abgrund“, heißt es in einer am Donnerstagabend veröffentlichten Stellungnahme des Weißen Hauses. Erstmals wurden auch drei UN-Soldaten Opfer des Machtkampfes in dem erst 2011 gegründeten Staat. Weitere Deutsche und andere Ausländer sollten bis zum Wochenende aus dem ostafrikanischen Land ausgeflogen werden.

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Bereits 35.000 Menschen such Schutz vor den Kämpfen in UN-Einrichtungen

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  • Wer zahlt für den Transport der nichtdeutschen Flüchtlinge???

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