Bürgerkrieg in Syrien
US-trainierte Rebellen geben offenbar Waffen an Al-Kaida weiter

Die USA hatten sich viel von den Neuen Syrischen Kräften erhofft. Die moderaten Rebellen sollten die Speerspitze im Kampf gegen den IS werden. Doch schon wieder kommen ihnen Al-Kaida-Krieger in die Quere.

DamaskusDas US-Projekt zum Aufbau einer gemäßigten Armee zur Bekämpfung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien hat einen neuen Rückschlag erlitten. Die US-Streitkräfte prüfen Hinweise, dass von ihnen ausgebildete syrische Rebellen Kriegsmaterial an die terroristische Al-Nusra-Front gegeben haben. Der Verdacht richtet sich gegen einen Kommandeur der Neuen Syrischen Kräfte (NSF), die von den USA zur Bekämpfung der IS-Dschihadisten ausgebildet wurden.

Die USA wollen im Rahmen des Projekts „New Syrian Forces“ jedes Jahr 5000 Mann für den Bodenkampf gegen den IS ausbilden. Bislang haben jedoch erst wenige Dutzend ihr Training abgeschlossen.

Wie das US-Central Command am Freitag (Ortszeit) mitteilte, gibt es nun Informationen darüber, dass ein NSF-Kommandeur Material, welches von der Anti-IS-Koalition stamme, im Austausch für freies Geleit einem mutmaßlichen Nusra-Front-Mittler übergeben habe. Es gehe um sechs Pickup-Trucks und Munition, etwa 25 Prozent des gesamten Materials, das der Truppe zur Verfügung gestellt worden sei. Die Übergabe soll am 21. und 22. September stattgefunden haben. Die Nusra-Front gilt als syrischer Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Das Central Command (CentCom) ist beim US-Militär zuständig für die Region von Ägypten und Jemen bis Pakistan und Kasachstan. Vor wenigen Tagen hatte es erklärt, dass am vergangenen Wochenende rund 70 US-trainierte Kräfte „erfolgreich“ nach Syrien zurückgekehrt seien, um dort ihren Einsatz zu beginnen.

Es ist bereits das zweite Mal, dass diese Truppe von extremistischen Rebellen vorgeführt wird. Ohnehin stand das Projekt von Anfang an unter keinem guten Stern. Zunächst verzögerte sich der Beginn der Ausbildung außerhalb Syriens, weil das US-Militär Probleme hatte, Kämpfer zu finden, die es für vertrauenswürdig hielt.

Als im Sommer die erste Gruppe von gerade mal rund 60 Mann das Training abschloss und unter dem Namen „Division 30“ die Grenze zu Syrien überschritt, wurde sie selbst zum Ziel: Extremisten der Al-Nusra-Front griffen nördlich von Aleppo die US-Verbündeten an, töteten fünf Kämpfer und verschleppten weitere.

Auf der diplomatischen Ebene mehren sich unterdessen die Stimmen, Syriens Machthaber Baschar al-Assad in die Suche nach einer Friedenslösung einzubinden. Australiens Außenministerin Julie Bishop sagte dem „Weekend Australian“ vom Samstag, die Haltung nehme zu, „dass die einzig denkbare Option eine Regierung der nationalen Einheit unter Einschluss von Präsident Assad ist“. Es schäle sich ein Konsens heraus, dass das Assad-Regime bei jedem Versuch, den syrischen Staat zu festigen und weitere Geländegewinne den IS zu verhindern, wahrscheinlich eine Schlüsselrolle einnehme.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte vor wenigen Tagen überraschend gesagt, es müsse auch mit Assad gesprochen werden. Dies wurde lange Zeit von Russland gefordert, aber von den Westmächten abgelehnt. Australien beteiligt sich an den von den USA koordinierten Luftangriffen auf den IS, der in großen Teilen Syriens und des Iraks ein Kalifat ausgerufen hat.

Die Bereitschaft, Assad in die Friedensbemühungen einzubeziehen, findet auch Beifall in der Wissenschaft. „Um einen Bürgerkrieg dieses Ausmaßes zu beenden, muss man notfalls auch mit dem Teufel reden“, sagte Margret Johannsen vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg der „Neuen Presse“ (Samstag) aus Hannover.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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