Bürgerkrieg
Jemen wird zum Brutkasten für Cholera

  • 0

Warnsysteme haben versagt

UN-Manager Churi räumt ein, dass seine Behörde von der rapiden Ausbreitung überrascht war und die Gelegenheit verpasst hat, das Problem im frühen Stadium unter Kontrolle zu bringen. Wie sie hatten auch Regierungsstellen anfangs gedacht, dass der Ausbruch nach einer leichten Krankheitswelle ab Oktober 2016 bald vorbei sei. Aber die Krankheit kehrte Ende April mit voller Wucht zurück. Churi führt dies hauptsächlich auf das Versagen eines landesweiten Epidemie-Warnsystems zurück, das unter anderem dazu da sei, frühzeitig Fälle aufzuspüren.

Im Bürgerkrieg stehen sich eine von Saudi-Arabien geführte Koalition, die die international anerkannte Regierung des Landes unterstützt, und schiitische Huthi-Rebellen gegenüber. Ein Streit zwischen Regierung und Huthis über finanzielle Einnahmen hat dazu geführt, dass etwa eine Million Staatsbedienstete seit September vergangenen Jahres nicht mehr bezahlt worden sind, darunter fallen auch 30.000 medizinische Mitarbeiter.

Rima al-Jussefi, die Leiterin des Epidemie-Warnsystems, verteidigt indes ihre Behörde. Die Angestellten arbeiteten rund um die Uhr und ohne Entgelt, sagte sie. „Es gibt kein Budget (...) es fehlt an allen Ecken und Enden.“ Al-Jussefis Behörde ist nur eine von vielen im Jemen, die ohne internationale Hilfe kaum noch funktionsfähig sind. Obwohl die Vereinten Nationen die internationale Gemeinschaft um umgerechnet 1,8 Milliarden Euro an Hilfsmitteln gebeten haben, sind bisher lediglich 44 Prozent der nötigen Aufwendungen finanziell abgedeckt.

In der Stadt Kohlan al-Scharaf, nicht weit von Bani Haidan entfernt, dient eine Schule als provisorisches Gesundheitszentrum. Die benachbarten Einrichtungen sind überfüllt. Ärzte schildern, dass sie seit Monaten nicht bezahlt worden sind und einige den Schmuck ihrer Frauen verpfändet haben, um sauberes Wasser zu kaufen. Mitarbeiter der Gesundheitsbehörden haben sich in manchen Fällen Geld leihen müssen, um ihre Telefone aufzuladen.

Der Bürgerkrieg hat bisher 10.000 Zivilisten getötet und eine Hungersnot in Teilen des Landes ausgelöst. 17 Millionen Menschen haben laut UN-Statistik nicht genug Lebensmittel. 2,2 Millionen Kinder sind akut mangelernährt. Ungefähr 14,5 Millionen Einwohnern haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Die Gefahr, an Cholera zu sterben, steigt, wenn ein Patient bereits an Mangelernährung oder anderen Gesundheitsproblemen leidet.

Im vergangenen Monat haben UN-Stellen die Auslieferung von einer Million Dosen Impfstoff abgeblasen: Es sei zu spät für eine Präventivmaßnahme, sagten sie. Außerdem habe man sich gesorgt, dass die ungleiche Verteilung in Gebieten, die zum Teil von den Huthis und zum Teil von der Regierung kontrolliert werden, den Konflikt noch anheizen könnte.

Die UN haben mehr als 1.000 Behandlungszentren im Jemen eingerichtet. Die meisten infizierten Menschen, die dorthin gelangen und Hilfe bekommen, überleben zwar. Dennoch bleibt das Geschäft schwierig: Es wird versucht, den medizinischen Mitarbeitern ein Gehalt zu zahlen. Und Tausende Freiwillige helfen - gehen von Haus zu Haus und klären über Schutzmaßnahmen gegen Cholera auf.

Seite 1:

Jemen wird zum Brutkasten für Cholera

Seite 2:

Warnsysteme haben versagt

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bürgerkrieg: Jemen wird zum Brutkasten für Cholera"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%