Bürgerrechtlerinnen
Nobelpreiskomitee stärkt Afrikas und Arabiens Frauen

Der Friedensnobelpreis geht an Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf und die Bürgerrechtlerinnen Leymah Gbowee und Tawakkul Karman aus dem Jemen. Sie werden für ihren Kampf für Demokratie und Frauenrechte geehrt.
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StockholmDas Nobelpreiskomitee hat Ellen Johnson Sirleaf (72), Leymah Gbowee (39) und Tawakkul Karman für ihren gewaltfreien Kampf für Frieden und die Sicherheit von Frauen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Ellen Johnson Sirleaf ist die erste freigewählte Präsidentin in Afrika. Sie ist das Staatsoberhaupt von Liberia. Leymah Gbowee arbeitet für Frauen in Liberia. Tawakkul Karman aus dem Jemen hat während des „Arabischen Frühlings“ eine herausragende Rolle im Kampf für die Rechte von Frauen gespielt. Die drei Preisträgerinnen teilen sich den mit 1,1 Millionen Euro dotierte Auszeichnung.

Komiteechef Thorbjørn Jagland begründete die Entscheidung in Oslo mit dem erfolgreichen Einsatz der beiden Frauen aus Liberia zur Beendigung des Bürgerkrieges in ihrem Land nach 13 Jahren. Karman gilt als eines der bekanntesten Gesichter der Protestbewegung im Jemen. Das norwegische Nobelkomitee drückt in seiner Begründung die Hoffnung aus, dass der Preis an die drei Frauen dazu beitragen kann, die Unterdrückung von Frauen beenden kann.

Kritik gab es unmittelbar nach der Bekanntgabe, da dem Nobelkomitee vorgeworfen wurde, mit der Entscheidung für Johnson Sirleaf in den Wahlkampf in Liberia eingegriffen zu haben: In der kommenden Woche stellt sich die 72jährige ihrer Wiederwahl. Der Vorsitzende des Komitees und frühere norwegische Regierungschef Thorbjørn Jagland wies die Kritik zurück.

Johnson-Sirleaf, die sich am Dienstag zur Wiederwahl stellt, ist nicht unumstritten: Jahrelang, so halten ihr ihre Kritiker vor, habe sie den Diktator Charles Taylor unterstützt und sei außerdem nicht tatkräftig genug gegen die verbreitete Korruption in ihrem Land vorgegangen. „Alle Instanzen haben das untersucht und Johnson-Sirleaf von einer Schuld freigesprochen“, sagte Jagland.

Mit der Entscheidung ist das Nobel-Komitee der in den vergangenen Wochen mehrfach geäußerten Kritik an der deutlichen männlichen Dominanz unter den Friedensnobelpreisträgern entgegengetreten.

Karman reagierte auf die Auszeichnung überglücklich. „Ich bin sehr, sehr glücklich“, sagte die Jemenitin, „und werde diesen Preis der Revolution im Jemen und dem jemenitischen Volk widmen“.

Vor der Bekanntgabe des Friedensnobelpreisträgers galten noch Blogger und Initiatoren des „Arabischen Frühlings“ als Favoriten. Sie hatten über soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter friedliche Massendemonstrationen initiert, in deren Folge die Diktatoren in Ägypten und Tunesien abgesetzt wurden.

Gegen die Initiatoren des „Arabischen Frühlings“ sprach jedoch der Zeitpunkt ihrer Aktionen: Die Demokratiebewegungen in mehreren arabischen Ländern begannen Anfang dieses Jahres. Kandidaten für den Friedensnobelpreis müssen bis zum 1. Februar gemeldet werden. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht absehbar, wie der Aufruhr in Tunesien und Ägypten enden würde.

Auch Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl sowie russische Menschenrechtsorganisationen werden seit Jahren als mögliche Anwärter auf den Friedenspreis gehandelt.

Das Osloer Nobelkomitee hatte in den vergangenen Jahren mehrfach überraschende Entscheidungen getroffen: So erhielt US-Präsident Barack Obama den Preis 2009, kurz nachdem er das Amt übernommen hatte. Zu früh, meinten damals viele Kritiker. Im vergangenen Jahr wurde der chinesische Oppositionelle Liu Xiaobo geehrt. Die chinesische Regierung reagierte empört. Die norwegisch-chinesischen Beziehungen kühlten zunächst deutlich ab.

Insgesamt waren dieses Jahr 241 Kandidaten für den Friedensnobelpreis nominiert - so viele wie noch nie zuvor. Der Friedensnobelpreis ist wie alle anderen Nobelpreise mit zehn Millionen Kronen, knapp 1,1 Millionen Euro, dotiert. Die Auszeichnung wird nach den Vorgaben ihres Stifters, des schwedischen Industriellen Alfred Nobel, am 10. Dezember in der norwegischen Hauptstadt vergeben. Alle übrigen Laureaten erhalten ihre Auszeichnungen am Todestag von Nobel in Stockholm.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent

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