Bürgschaften
Mittelständler beklagen sich über Brüssel

Um den Boom zu bewältigen, müssen kleine und mittlere Unternehmen zusätzliche Investitionen und Antragsvorfinanzierungen leisten. Die dazu nötigen Kredite erhalten sie jedoch oftmals nicht. Der Ausweg sind Bürgschaften, das Problem: EU-Wettbewerbskommissar Almunia will die Kleinbeihilfen auf das Vorkrisenniveau reduzieren.
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BRÜSSEL. Der Wirtschaftsaufschwung ist da - und stellt kleine und mittlere Unternehmen doch vor Probleme. Denn der Boom will bewältigt sein, mit zusätzlichen Investitionen und Auftragsvorfinanzierungen. Das aber fällt vielen Mittelständlern und Kleinunternehmern (KMU) schwer. Sie erhalten dazu nötige Kredite oft nicht. Der Ausweg: Bürgschaften. Das Problem: Der gelockerte Beihilferahmen der EU soll zwar über 2010 hinaus bis Ende 2011 gelten; nicht aber die Gewährung von Kleinbeihilfen in einer Höhe bis zu 500 000 Euro. Diese will EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia auf das Vorkrisenmaß von 200 000 Euro zurückschrumpfen.

Kurzsichtig nennt das der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB). "KMUs spüren die Auswirkungen der Krise zeitverzögert. Wir dürfen sie nicht im Regen stehen lassen", sagte VDB-Geschäftsführer Stephan Jansen dem Handelsblatt nach Gesprächen in Brüssel. Brisant ist das Thema, weil Industriekommissar Antonio Tajani seine Kommissionskollegen ermahnt hat, die Auswirkungen, die ein Vorhaben auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen hat, stärker zu berücksichtigen.

Nach wie vor wirken sich die Unternehmenskennzahlen der Krisenjahre negativ auf die Bonitätsbewertung von Unternehmen aus. Das trifft vor allem den Mittelstand, der sich überwiegend mit Hilfe von Bankkrediten finanziert.

Laut Deutschem Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist die Ablehnungsquote bei den Kleinstunternehmen mit bis zu zehn Beschäftigten mit vier Prozent doppelt so hoch wie in der deutschen Gesamtwirtschaft. Deshalb ist der gelockerte Rahmen für Beihilfen bis zu 500 000 Euro wichtig. "Dieses Instrument hat sich in der Praxis bewährt", schreibt der DIHK in einer Stellungnahme. Ohne eine Weiterführung der Kleinbeihilfenregelung könnten viele Unternehmen keine Bürgschaften in Anspruch nehmen. Ihnen bleibe der Zugang zu Krediten versperrt - zu Lasten des Aufschwungs. DIHK und Bürgschaftsbanken appellieren Almunia, die Regelung bis Ende 2011 laufen zu lassen und hoffen auf die Unterstützung aus Berlin.

Die Krise hat die Bedeutung der Bürgschaftsbanken deutlich gestärkt. 2009 sicherten sie rund 8 000 Finanzierungsvorhaben mit etwa 1,3 Mrd. Euro an Bürgschafts- und Garantievolumen ab. Die Ausfallquote beträgt rund vier Prozent.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent

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