Bulgaren und Rumänen
Die Völkerwanderung fällt aus

Bulgaren und Rumänen brauchen ab 1. Januar keine Arbeitserlaubnis mehr für Deutschland. Nun sorgen sich Städte und CSU vor einem Ansturm von Armutszuwanderern. Doch noch ist keine größere Auswanderungswelle erkennbar.
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BerlinZum Jahreswechsel fallen für Bulgaren und Rumänen die letzten Job-Schranken in der EU: Dann öffnet sich der deutsche Arbeitsmarkt auch für sie. Eine Arbeitserlaubnis ist dann nicht mehr nötig, um nach Deutschland kommen zu können. Noch ist unklar, wie viele das sein werden. Experten erwarten keine Völkerwanderung, wohl aber Zuzug im sechsstelligen Bereich. Die CSU macht im Vorfeld bereits Front gegen Armutszuwanderung.

Bulgarien und Rumänien sind seit 2007 EU-Mitglieder. Seitdem steigt in Deutschland kontinuierlich der Zuzug aus diesen Ländern. Im September arbeiteten schon 160.000 Bulgaren und Rumänen in Deutschland, 126.000 davon in sozialversicherten Jobs. Von 2014 an werden jährlich zwischen 100.000 und 180.000 Zuwanderer aus den beiden Ländern erwartet, schätzen die Forscher des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

Risiken sehen sie in der geringen Qualifikation der Zugewanderten aus den beiden Ländern. So haben nach einer gerade veröffentlichten IAB-Studie zwar 21 Prozent einen Hochschulabschluss und 33 Prozent eine Berufsausbildung, aber zugleich 46 Prozent keine Qualifikation. Rumänen und Bulgaren finden denn auch häufig Jobs nur im weniger attraktiven Dienstleistungssektor, in der Gastronomie zum Beispiel oder als Erntehelfer.

Die Arbeitslosenquoten der bislang zugewanderten Bulgaren und Rumänen liegen freilich durchweg unter jenen der anderen Ausländergruppen. Vor Ausbruch der Wirtschaftskrise zog es 80 Prozent der bulgarischen und rumänischen Auswanderer nach Spanien und Italien. Seit es dort bergab geht, wird Deutschland für sie attraktiver. Experten sprechen von einem „Umlenkungseffekt“.

Doch in Bulgarien selbst ist keine größere Auswanderungswelle erkennbar – Arbeitnehmerfreizügigkeit hin oder her. Im Fernsehen und im Rundfunk des Balkanlandes gibt es weder Werbespots für Arbeitsvermittler noch Tipps für künftige Arbeitnehmer im Ausland. Soziologen ermittelten aber, dass „in naher Zukunft“ etwa 200.000 Bulgaren einen besser bezahlten Job in anderen EU-Ländern suchen könnten. Bevorzugte Ziele für mögliche Arbeitsmigranten sind Deutschland und Großbritannien.

Laut einer Umfrage vom Dezember interessieren sich 6,7 Prozent der volljährigen Bulgaren dafür, ab 1. Januar in einem anderen EU-Land zu arbeiten. Etwa die Hälfte werden ihre Absicht voraussichtlich auch verwirklichen, erwartet das Forschungsinstitut Alpha Research in Sofia. Hintergrund sei demnach das „ungünstige Umfeld und das Fehlen von persönlichen Perspektiven“ in Bulgarien.

Die Gewerkschaften riefen die Arbeitgeber auf, die Gehälter von hoch qualifizieren Mitarbeitern zu erhöhen, damit diese nach der kompletten Öffnung des EU-Arbeitsmarktes in Bulgarien bleiben. In dem ärmsten EU-Land sind die Gehälter etwa von Ärzten oder Ingenieuren deutlich niedriger als in den alten EU-Staaten.

Arbeitsminister Hassan Ademow sieht dennoch „keine Gefahr, dass Bulgaren den Arbeitsmarkt der alten EU-Staaten überfluten werden“. „Wir teilen nicht die Befürchtungen, dass es eine derart gewaltige (Immigrations-)Welle geben wird, wie auf der Insel (Großbritannien) befürchtet wird“, erklärte Regierungschef Plamen Orescharski im Parlament in Sofia. Ex-König Simeon II. schrieb auf seiner Webseite: „Die Hysterie stützt sich auf Spekulationen und willkürlichen Analysen.“ Die apokalyptischen Szenarien hätten eine „politische Färbung und rein populistische Ziele“.

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  • Welle? Ist eine "Welle" schon am 2. Tag im neuen Jahr 2014 festzustellen? Wieder nur Experten, die vorsätzlich alles falsch machen, siehe BER!!!!!

  • >>Betrüger sollen abgeschoben werden...aber wann und wer ist wann Betrüger ?

    Andere bereits hier wohnhafte Rumänen sind hier integriert und davor muss man Respekt zwar haben ABER GEHEN WIR MAL ALLES AUF DEM GRUND :

    DA SIND RUMÄNEN NACH DEUTSCHLAND GEKOMMEN IN DEN JAHREN 1984 bis 1988 und haben damals SOFORT ARBEITSPLATZ VERMITTELT BEKOMMEN.<<

    Ich glaube sie verwechseln da was. Sie sprechen von Rumänien-Deutsche, in Rumänien ansässige ethnische Deutsche.
    Das was jetzt zu uns kommt, sind keine ethnischen Deutschen, es sind auch keine richtigen Rumänen, es sind ungebildete, größtenteils sogar analphabetische Roma, - vulgo Zigeuner.- die gar nichts anderes können als in den Sozialstaat einwandern.

    Und die Folgen sind bereits jetzt kastrophal!

  • Ich bin keiner der Menschen gerne unterteilt. Aber die Wanderungsbewegungen in Europa gehen nicht nur zu Lasten der Empfängerländer auch zu einer Schwächung der Versenderländer.

    Natürlich freuen sich die Regierungen aus Bulgarien, Polen, Ungarn, Russland, Türkei wenn sie ihre „Unterschicht“ exportieren und Menschen die sie nicht mögen (z. b. Kurden, Zigeuner) aber es gehen auch andere.

    Die Jungen, die Menschen die etwas bewegen möchten (Die Unbequemen). Die braucht man aber, diese Menschen zu verlieren ist Gefährlich!

    Es schafft zwar Ruhe im Inneren (siehe Bundesrepublik Deutschland) eine Grabesruhe und es bewegt sich nichts mehr.

    Wer aber stehen bleibt steht plötzlich hinten.

    Wir exportieren unsere Jungen und Unbequemen (jedes Jahr verlassen circa 100.000 gut ausgebildete Deutsche unser Land) wir erhalten die Menschen die keiner haben möchte, die Armutsflüchtlinge und die Gefährlichen.

    Später werden die Länder wie Polen, Ungarn, Russen und Bulgaren aber auch bemerken das diese ihre Zukunft exportier haben!




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