Bush und Blair entschuldigen sich
Eine Chronologie der Folteraffäre

Der Skandal um die Misshandlung irakischer Gefangener durch Besatzungssoldaten zieht immer weitere Kreise. Die Affäre war durch einen anonymen Brief ausgelöst worden, den ein in Irak stationierter Soldat schon vor Monaten unter der Tür seines Vorgesetzten hindurchschob. Die Greultaten wurden bereits im Januar bekannt.

HB HAMBURG. Berichte über Misshandlungen und Demütigungen irakischer Gefangener haben die Besatzungsmächte USA und Großbritannien in Bedrängnis gebracht. Nach US-Präsident George W. Bush hat sich auch der britische Premierminister Tony Blair entschuldigt:

13. Januar 2004: Ein US-Militärpolizist meldet seinen Vorgesetzten Misshandlungen an Gefangenen im Gefängnis Abu Ghoreib bei Bagdad. Bereits am Tag danach soll Verteidigungsminister Donald Rumsfeld nach Medienberichten informiert worden sein, der Ende des Monats oder Anfang Februar auch den Präsidenten unterrichtet.

16. Januar: Das zuständige US-Zentralkommando kündigt eine Untersuchung der Vorwürfe an. Leiter der Ermittlungen wird General Antonio Taguba.

3. März: Taguba übergibt dem Kommandeur der Bodentruppe im Irak, General David McKiernan, seinen geheimen Bericht. Darin werden Folterfälle und ungesetzliche Verhörmethoden bestätigt. Die Armee leitet gerichtliche und Disziplinarmaßnahmen ein.

28. April: Der US-Fernsehsender CBS sendet erste Bilder von Misshandlungen und anstößigen Sex-Szenen, die international Empörung auslösen. Auch Präsident Bush sieht die Fotos zum ersten Mal. Auf Drängen von Stabschef General Richard Myers waren sie zwei Wochen zurückgehalten worden.

4. Mai: Rumsfeld erklärt, alle Verantwortlichen kämen vor Gericht, die Untersuchungen würden auf Gefängnisse außerhalb Iraks ausgedehnt. Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice verspricht der arabischen Welt, dass die Schuldigen bestraft würden.

5. Mai: In Interviews mit zwei arabischen Fernsehsendern nennt Bush die Vorfälle „abscheulich“. Sie seien nicht repräsentativ für Amerika. Rice und General Mark Kimmitt, Sprecher der US-Streitkräfte im Irak, entschuldigen sich ausdrücklich.

6. Mai: Nach einem Treffen mit dem jordanischen König entschuldigt sich auch Bush: „Es tut mir Leid, dass die Gefangenen diese Demütigungen ertragen mussten.“ Eine Sprecherin des Roten Kreuzes in Genf sagt, die Organisation habe die USA mehrfach zum Handeln aufgefordert.

7. Mai: Was geschehen sei, „ist entsetzlich“, sagt Rumsfeld vor dem Streitkräfteausschuss des Senats. Er übernehme die volle politische Verantwortung und entschuldige sich „zutiefst“.

9. Mai: Nach Folter-Berichten von Amnesty International und Bildern in der Zeitung „The Mirror“ entschuldigt sich auch der britische Premier Blair „zutiefst bei jedem, der von einem unserer Soldaten misshandelt wurde“.

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