Bush unterstützt Scharon
Israel will weitere Siedlungen räumen

Israels Ministerpräsident hat kurz vor der Räumung der jüdischen Siedlungen im Gazastreifen in Aussicht gestellt, weitere Siedlungen im Westjordanland zu räumen. Die Zeitung „Jediot Ahronot“ zitierte Scharon am Freitag: „Nicht alle Siedlungen bleiben.“

HB JERUSALEM. „Die Angelegenheit wird in Verhandlungen mit den Palästinensern geklärt.“ Zugleich betonte Scharon den Anspruch auf die großen Siedlungsblocks im Westjordanland. Diese werde man nicht hergeben, sagte er. „Auf die Frage nach den Grenzen habe ich nie geantwortet - und nicht, weil ich die Karten nicht kenne“, so der Regierungschef in dem Interview.

Die Vorbereitungen für die am Mittwoch beginnende Evakuierung der 21 Siedlungen im Gazastreifen liefen derweil auf Hochtouren. Noch bis Montagabend um 24 Uhr haben die Siedler Zeit, ihre Wohnorte freiwillig aufzugeben, ab Mittwoch werden die Streitkräfte die Siedlungen dann notfalls mit Gewalt räumen.

Das Verteidigungsministerium erklärte, die Maßnahme, die als eine der schwierigsten in der Geschichte der israelischen Streitkräfte gilt, solle schon bis zum 4. September abgeschlossen sein. Deswegen sei die Zahl der beteiligten Soldaten und Polizisten um 10 000 auf 55 000 erhöht worden. Bislang war ein Datum Mitte September avisiert worden.

Eine private Stiftung erwarb unterdessen Treibhäuser in jüdischen Siedlungen im Gazastreifen, um sie nach dem Abzug den dort beschäftigten Palästinensern zur Verfügung zu stellen. Die Transaktion im Wert von 14 Millionen Dollar sichere die Arbeitsplätze von rund 4000 Menschen, sagte der frühere israelische Justizminister Jossi Beilin. Die bisherigen Eigentümer erhielten dafür bis zu 4000 Dollar ausgezahlt.

Die Stiftung für ökonomische Zusammenarbeit, die sich für einen wirtschaftlichen Austausch zwischen Israelis und Palästinensern einsetzt, erwarb nach Angaben Beilins 90 Prozent der Treibhäuser jüdischer Siedler. Die restlichen seien von ihren Eigentümern zerstört worden. Der amerikanische Vermittler James Wolfensohn steuerte für den Kauf 500 000 Dollar seines eigenen Vermögens bei.

In Gaza-Stadt probten am Freitagmorgen 1000 bewaffnete Hamas-Mitglieder Angriffe auf jüdische Siedlungen. Es war nicht klar, ob dies ein Anzeichen auf tatsächliche Übergriffe während des Abzugs war, oder ein Einschüchterungsversuch. Ein Sprecher sagte: „Wir behalten unsere Waffen, bis wir unser ganzes Land befreit haben. Der Gazastreifen ist erst der Beginn.“

US-Präsident George W. Bush brachte in einem am Donnerstag vom israelischen Fernsehen ausgestrahlten Interview seine Unterstützung für den umstrittenen Abzugsplan Scharons zum Ausdruck. Er werde „Israel sicherer und friedlicher machen“, sagte Bush.

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