CEO-Gremien aufgelöst
Die Einsamkeit des Donald Trump

Donald Trump schart seine letzten Getreuen um sich. Zwei Berater-Gruppen mit US-Vorstandschefs werden aufgelöst, eine bedingungslos getreue Beraterin zur Kommunikationschefin ernannt. Es wird einsam um die Nummer 45.
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San FransicsoHope Hicks wird übergangsmäßige Kommunikationschefin für das Weiße Haus unter Donald Trump, dem 45. Präsidenten der USA. Die 28-Jährige folgt auf Anthony Scaramucci, der es keine zwei Wochen auf dem Schleudersitz des Kommunikationschefs ausgehalten hatte. Scaramucci lernte die bittere Lektion, dass der Kommunikationsdirektor in Telefonaten mit Journalisten besser nicht in unflätiger Weise über Leute herzieht, mit denen er eng zusammenarbeiten muss. Diese Lektion erteilt hatte ihm John Kelly, den Trump als Stabschef ins Weiße Haus holte, nachdem Scaramucci den Vorgänger Reince Priebus aus diesem Amt gejagt hat.

Explosive Scharaden dieser Art wird es mit Hicks nicht geben. Nur zwei Dinge sind über ihren Charakter bekannt: Sie ist absolut pressescheu, was eine interessante Eigenschaft für eine Kommunikationschefin ist – selbst übergangsweise. Des Weiteren gilt sie als 100 Prozent loyal gegenüber Trump, Kritik an ihrem Chef wird von ihrer Seite nicht kommen.

Kennengelernt hatte das Ex-Model Donald Trump, als sie für dessen Tochter Ivanka arbeitete. Ohne jede politische oder kommunikative Erfahrung bekam sie während des Wahlkampfs den Posten seiner Pressechefin, wo sie sich vornehmlich nicht mit ihrem Chef anlegte und es vermied, ein eigenes öffentliches Profil zu entwickeln. Denn Nägel, die über ihn hinausragen, werden von Trump persönlich wieder eingeschlagen. Zum Dank für ihre Loyalität zog sie nach dem Wahlsieg als Beraterin ins Weiße Haus ein.

Jetzt steigt sie auf, und das sagt viel aus – vor allem über Donald Trump und seine Präsidentschaft. Hicks werde übergangsmäßig Kommunikationschefin werden, heißt es in einer offiziellen Mitteilung. Und ein permanenter Nachfolger werde „zur gegebenen Zeit“ bekanntgegeben.

Trump, das zeigt die Personalie Hicks, schließt die Reihen in seiner Washingtoner Wagenburg mit den Treuesten der Getreuen. Und er hat auch keine andere Wahl angesichts weiter fallender Popularitätswerte und ständiger Unruhen innerhalb und außerhalb des Weißen Hauses. Öffentlich attackiert hat er schon seinen Justizminister Jeff Sessions, einen seiner treuesten Verbündeten der ersten Tage. Er demontiert öffentlich Mitch McConnell, den obersten Republikaner im Senat. Vorbei sind die Zeiten, als konservative Außenseiter helfen sollten, seine Agenda voranzubringen.

Nach seinen wachsweichen und auch in der eigenen Partei scharf kritisierten Einlassungen zu weißen Rassisten, Neonazis und Nationalisten am Wochenende und danach, traten immer mehr Vorstandschefs großer US-Unternehmen aus seinen Beraterstäben für die Förderung der heimischen Industrie, Strategie und Politik zurück.

Zunächst hatte Trump noch gegen den ausscheidenden CEO der Pharmafirma Merck per Twitter zurückgeblafft und die „feinen Menschen“ unter den rechten Aktivisten gelobt, die in Charlottesville Krawalle veranstaltet hatten, bei denen es auch Tote gab. Jetzt hat er die Reißleine gezogen und die Beraterstäbe schnell aufgelöst, bevor sich alle Stühle von Unternehmerseite aus leerten. Denn die Massenflucht der Topmanager ist ein katastrophales Signal. „Anstatt Druck auf die Geschäftsleute des Industrie-Rates und des Strategie-und-Politik-Forums auszuüben, löse ich sie auf“, schreibt Trump knapp auf Twitter, gefolgt von einem emotionslos-belanglosen „Vielen Dank an alle“.

Den Tweet setzte Trump ab, kurz nachdem der Chef des größten Gewerkschaftsdachverbandes AFL-CIO, Richard Trumka, unter massiver Kritik das „American Manufacturing Council“ verlassen hatte. „Wir können nicht dem Beirat eines Präsidenten angehören, der Intoleranz und heimischen Terrorismus toleriert“, wetterte Trumka.

Relative Erfolge Trumps wie beispielsweise der Teilrückzug Nordkoreas von seinen Drohungen, Raketen Richtung Guam abzuschießen, kommen dagegen in der Öffentlichkeit nicht durch. Trump selber stellt sich immer wieder ein Bein.

Es wird immer einsamer um den Präsidenten und seine loyalen Berater, zu denen nun auch Hope Hicks gehört. Die Reihen, die abends um das Lagerfeuer in der Wagenburg Oval Office sitzen, lichten sich. Die Menge der „Liberals“, Demokraten und abtrünnige Republikaner, die draußen ihre Runden drehen, wird dagegen größer.

Hicks, laut „New York Times“ „die wahrscheinlich unqualifizierteste Pressechefin in der jüngeren Geschichte der Präsidentschaftswahlkämpfe“, hat die Aufgabe, in die feindliche Wildnis zu gehen. Sie muss Presseanfragen beantworten zu Themen, die Trump in den Nachtstunden zuvor in seinen Tweets angesprochen hat. Und sie muss die 140-Zeichen-Botschaften des US-Präsidenten erklären.

Trump baut mit der Personalie eine private Umleitung auf, die um seinen neuen Stabschef John Kelly herumführt. Der versucht zwar, Ordnung in das Kommunikationschaos im Weißen Haus zu bringen. Doch die jüngsten „anti-linken“-Ausfälle vom Dienstag haben Kelly gezeigt, dass der Präsident immer noch die unberechenbarste Quelle für schlechte Kommunikation ist. Auch wenn Trump das anders sieht.

Kelly hat schon Scarramucci entsorgt. Und wenn er das bei Hicks auch für nötig hält, wird er es den Präsidenten wissen lassen. Der wird dann vor einer schweren Wahl stehen. Hoffentlich wird sie für John Kelly ausfallen und damit zugunsten von Amerika. Denn ob Trump für den ehemaligen und bislang untadeligen General noch mal einen Ersatz finden wird, ist fraglich. Eine neue Hope Hicks dürfte dagegen kein echtes Problem sein.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • Ehrenredner sollten dann David Duke und Björn Höcke sein.

  • Die approval ratings von Donald Trump werden sich in der näheren Zukunft sicher denen der AfD annähern. Dann sollte eine große Verbrüderungsparty in Zusammenarbeit mit dem Ku-Klux-Clan (möglichst in Dresden) stattfinden.

  • Das sieht man mal wieder, wie sich Meinungen aufschaukeln hier.
    Ich möchte mal allen Danken, die einen einigermaßen sachlichen Beitrag bringen, der auf die Situation des Artikels bezogen ist. Die AFD hat meiner Ansicht nach damit so null un überhaupt nix zu tun und in einem Kommenatr nix verloren. Auch danke an die, die sich abstrusen Kommentaren entgegenstellen, auch wenn es teils beleidigende Angriffe dafür gibt.

    Wenn man sieht, zu welchen Schritten das Wahlkampfteam (Treffen mit russischer Answältin) bereit gewesen ist, um nur ein paar Stimmen mehr zu bekommen, dann sieht man die Problematik. Trump hat sich abhängig gemacht von Gruppen (bei Russland weiss man das ja nicht sicher), die natürlich nun Forderungen stellen. Und da kann es ganz schnell unbequem werden.
    In seinem übergroßen Ego hat er vermutlich gedacht, dass ist Mittel zum Zweck und das handelt er schon irgendwie. Doch jetzt wird er zunehmend zum Spielball. Er weicht immer dem allergrößten Druck aus und manövriert sich in schwierigere Lagen als vorher. Die extrem Rechten haben ihn gewählt, weil er mit Bannon paktierte. Das hat ihm Gelder gebracht. Nun kann er sie nicht ganz verprellen. Andererseits wächst der Druck von Demokraten und Republikanern, die ihre eigenen Wähler im Blick haben und denen Rede und Antwort stehen müssen.
    Er reagiert zunehmend unbesonnen, rhetorisch plump und lässt sich prima in die Enge treiben. Einfach verbal angreifen und er wird schon eine dummheit begehen. Das wird ja fleissig genutzt. Ob das in jedem Fall so fair ist... sicher nicht. Aber in den USA muss sich noch jeder Präsident dieser Herausforderung stellen. Seine Vorgänger hatten es da nicht leichter. Nur bot ein Obama durch seine lockere, überlegene Art weniger Angriffsfläche.

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