Chaos im Irak
Dutzende Tote nach Anschlägen in Bagdad

Bei der schwersten Anschlagsserie seit gut zweieinhalb Jahren sind im Bagdader Schiiten-Viertel Sadr-Stadt 133 Menschen getötet worden. 201 weitere wurden bei der Explosion von bis zu sechs Autobomben verletzt, wie die Polizei am Donnerstag mitteilte.

HB BAGDAD. Zur gleichen Zeit griffen Bewaffnete das von Schiiten geführte Gesundheitsministerium mit Granat- und Raketenwerfern sowie Maschinengewehren an. Die Regierung reagierte Berichten des staatlichen Fernsehens zufolge mit einer unbeschränkten Ausgangssperre für Bagdad. Sadr-Stadt ist Hochburg das radikalen Schiiten-Geistlichen Moktada al-Sadr und seiner Mehdi-Armee, die sowohl gegen die sunnitische Minderheit als auch gegen die USA kämpft.

Seit der US-Invasion 2003 sind nur bei einigen Anschlägen mehr als 100 Menschen ums Leben gekommen. Die bislang schwerste Serie von Attentaten wurde am 2. März 2004 verübt: Damals kamen in Badgad und dem Schiiten heiligen Kerbela 171 Menschen zu Tode. In Sadr-Stadt waren zuletzt am 1. Juli bei der Explosion einer Autobombe 62 Menschen getötet worden.

Gesundheitsminister Ali Al-Schemari sagte, die Zahl der Toten der jüngsten Anschlagsserie könne noch steigen. Viele Opfer seien bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt und noch nicht gezählt worden. Ein General des Innenministeriums berichtete im staatlichen Fernsehen, sechs jeweils mit einer halben Tonne Sprengstoff beladene Autos seien fast zeitgleich in dem Gebiet explodiert, das zusätzlich mit Granatwerfern beschossen wurde. Ganze Straßen und Märkte in dem von zwei Millionen Menschen bewohnten Armenviertel wurden zerstört. Leichenteile lagen in Autowracks.

Fünf Kilometer von Sadr-Stadt entfernt beschossen etwa 30 Bewaffnete das von Al-Sadr kontrollierte Gesundheitsministerium. Der stellvertretende Minister Hakim al-Samilj berichtete aus dem Gebäude: „Jeder Mitarbeiter, der das Haus verlässt, wird umgebracht.“ Später sagten Mitarbeiter des Ministeriums, US-Kampfhubschrauber und Soldaten hätten die Blockade beendet. Bei dem Zwischenfall wurden nach Behördenangaben fünf Menschen verletzt. Erst vor ein paar Tagen wurde das von einem sunnitischen Politiker geleitete Bildungsministerium überfallen und von dort eine Gruppe Menschen verschleppt.

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