Chaos in Libyen
Gaddafis Sohn warnt vor Bürgerkrieg

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TripolisLibyens Staatschef Gaddafi soll das Land verlassen haben und nach Venezuela verschwunden sein.

Das berichtet der TV-Sender Al-Dschasira.

Nach tagelangen Unruhen in Libyen hat sich Gaddafis Sohn, Saif al Islam Gaddafi, zu Wort gemeldet. Er warnte in der Nacht zum Montag im Staatsfernsehen vor einem Bürgerkrieg in dem nordafrikanischen Land. Dieser Bürgerkrieg werde den Ölreichtum des Landes verbrennen. Er versprach zugleich Reformen und Demokratie.

Das Parlament werde am heutigen Montag zusammenkommen und über eine Reihe von Reformen beraten. Es gebe eine „ausländische Verschwörung“ gegen Libyen, sagte Saif al Islam weiter. Islamisten und Oppositionelle versuchten die Einheit des Landes zu zerstören. Die separatistischen Unruhen würden die Sicherheit des Landes bedrohen.

Er gab zugleich zu, dass Regimegegner die Kontrolle über einige Militärbasen und Panzer übernommen hätten. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira meldete, in der Hauptstadt Tripolis sei es zu Zusammenstößen zwischen Gegnern und Anhängern von Gaddafi gekommen. Die Armee habe Fehler beim Umgang mit den Protestierenden gemacht, da sie nicht für Einsatz bei Demonstrationen ausgebildet sei, sagte der Gaddafi-Sohn.

Die in ausländischen Medien genannten Zahlen von Opfern bei der Niederschlagung der Proteste im Land wies er als übertrieben zurück. Menschenrechtsgruppen hatten von etwa 150 Toten bei den tagelangen Aufständen gesprochen. Ärzte und Oppositionskreise nannten sogar die Zahl von 200 Toten.

Heute noch drohte Libyen der EU damit, keine Flüchtlinge aus Afrika nach Europa mehr abzufangen. Sollte die Europäsche Union pro-demokratische Demonstrationen weiter ermutigen, wolle Libyen die Zusammenarbeit in Flüchtlingsfragen beenden, sagte ein Sprecher der ungarischen EU-Ratspräsidentschaft am Sonntag in Brüssel. Das sei dem ungarischen Botschafter in Libyen mitgeteilt worden.

Libyen hatte in den vergangenen Monaten im Auftrag der EU verstärkt Flüchtlinge aus dem Süden des afrikanischen Kontinents abgefangen und zurückgeschickt. Die EU versucht, die Ströme aus dem Süden über das Mittelmeer wie auch über die Türkei und Griechenland in den Griff zu bekommen.

Nach den Protesten gegen Machthaber Muammar Gaddafi forderte Großbritannien die Regierung in Tripolis zu Reformen und einem Dialog mit den Demonstranten auf. Das harte Durchgreifen der Regierung sei inakzeptabel und werde weltweit verurteilt, sagte Außenminister William Hague am Sonntag dem Sohn Gaddafis in einem Telefonat.

Menschenrechtlern zufolge kamen in den vergangenen Tagen rund 200 Menschen ums Leben, allein am Samstag sollen es 90 gewesen sein.

HB/dpa

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