„Charlie Hebdo“
Eine Redaktion besiegt den Todeskult der Terroristen

Der Schrecken des Attentates auf „Charlie Hebdo“ sitzt noch tief. Dennoch erscheint heute die erste Ausgabe nach dem Terroranschlag. Die Unterstützung ist enorm.
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ParisSie haben es geschafft: Die Redaktion von „Charlie Hebdo“ hat dem Todeskult der Terroristen eine Nase gedreht und eine „reguläre“ Ausgabe der satirischen Wochenzeitung produziert. Normal ist an dieser Nummer allerdings nichts, weder die Umstände, unter denen sie produziert wurde, noch die Redaktion, die nach der Ermordung von fünf Karikaturisten und zwei weiteren Mitarbeitern am Mittwoch vergangener Woche in Paris nur noch eine Rumpfmannschaft ist.

Aber gleichzeitig war Charlie noch nie so groß: „Die Solidarität der anderen Medien war großartig, bewegend“, sagt der Anwalt der Zeitung Christophe Thévenet. Die französischen Kollegen haben die Produktion ermöglicht, indem sie Räume (Libération), Computer (Le Monde) und sonstiges Material (viele andere) zur Verfügung stellten.

Und aus dem Ausland kam Hilfe: Zwei Innenseiten wurden von ausländischen Zeichnern gestaltet. Die Ausgabe vom Mittwoch wird in einer Auflage von drei Millionen gedruckt, rund 300.000 sollen ins Ausland gehen. Vorab wurden bereits zwei Seiten veröffentlicht (hier geht's zum Download).

Auf die Verkaufsstellen des französischen Satiremagazins „Charlie Hebdo“ gab es am Mittwochmorgen einen riesigen Ansturm. An etlichen Pariser Zeitungskiosken war die erste Ausgabe des Blattes seit dem Attentat auf die Redaktion innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Viele Stammkunden hätten sich schon im Vorfeld Exemplare reserviert, berichteten Verkäufer.

Auf der ganzen Welt ist der Slogan „Ich bin Charlie“ mittlerweile bekannt. Am Dienstag stellten sich zwanzig Besucher der amerikanischen Notenbank Fed vor der Banque de France auf mit einem großen Schild: „Ich bin Bernard“, eine Hommage an Bernard Maris, Mitglied des Aufsichtsrats der Banque de France und Kolumnist von Charlie Hebdo, der am vergangenen Mittwoch eines der Opfer der Terroristen wurde.

Die Nachfrage nach der neuen Nummer ist gewaltig: Die französischen Kioskbesitzer nahmen schon am Dienstag keine Vorbestellungen mehr entgegen. „Ich weiß nicht genau, wie viele Exemplare ich bekomme, da mache ich lieber keine Versprechungen“, sagte einer, „ich bin jetzt bei 182, da will ich Sie lieber nicht enttäuschen“, ein anderer. Nicht nur dank dieser Nachfrage ist die wirtschaftliche Zukunft der Zeitung erst einmal gesichert, sie hat außerdem Spenden in Höhe von 950.000 Euro erhalten, berichtet Thévenet. Das reiche, um eine neue Redaktion aufzubauen.

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  • Die Politik in EU-Deutschland verkriecht sich hinter ihrer Angst vor dem Terror anstatt, vor Ort, zu handeln.
    Wer den Terror besiegen will, der muss an der Wurzel und damit in den Stammländern des Terrors ansetzen. Gesetze, Trauer, Empörung und Image-Pflegende Politiker nützen und schützen uns nicht vor dem Terror, dessen Stammsitz in der Islamischen Welt ist.
    Und wenn die detusche Regierung soweiter macht mit ihren Verständnis für den Islam und keine klare Kante und Regeln mitdem Islam mehr in Detuschland vorgibt, dann wird der Islam und damit unweigerlich der Terror in Deutschland einen Standort erhalten.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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