Chatami weist Kritik an Atomprogramm zurück
Iran peilt WTO-Beitritt in drei Jahren an

Der Iran soll in zwei bis drei Jahren reif für den Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) sein. Der dazu notwendige Abbau der Bürokratie und des Staatssektors setze aber ein jährliches Wirtschaftswachstum von acht bis neun Prozent voraus, sagte der Präsident der iranischen Handelskammer in Teheran, Ali-Naghi Kamoushi, dem Handelsblatt.

hn TEHERAN. Erschwert wird eine Annäherung an den Westen zudem durch den Streit um das iranische Atomprogramm. Irans Präsident Mohammad Chatami stellte gestern die weitere Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Frage, falls die Kritik an dem Atomprogramm des Landes anhalten sollte. Deutschland, Frankreich und Großbritannien warf er vor, in ihrer Kritik an seinem Land dem Druck der USA nachzugeben. Diese werfen dem Golfstaat vor, nach Atomwaffen zu streben. In Wien setzte die IAEA ihre Beratungen über einen Resolutionsentwurf der drei europäischen Staaten fort, der den Iran für eine lasche Zusammenarbeit mit der Uno-Behörde kritisiert.

Teheran hat bereits Mitte der neunziger Jahre den WTO-Beitritt beantragt, doch zur Abstimmung ist es bisher nicht gekommen. Sein Land weise in den vergangenen Jahren mit rund sechs Prozent eine der höchsten Wachstumsraten in der Region aus, und in diesem Jahr könnten es acht Prozent werden, prognostiziert Kamoushi. Um die Konjunktur weiter anzukurbeln, sollen pro Jahr zwei Mrd. Dollar in die petrochemische Industrie investiert werden. Binnen zehn Jahren soll die Branche so ihre Produktion auf 75 Mill. Tonnen verfünffachen.

Die Zeit drängt, denn die heimische Benzinnachfrage kann der Iran – eines der ölreichsten Länder der Welt – heute nur mit Importen decken. Große Pläne hat das Land auch in der Aluminiumproduktion. Statt 1,5 Mill. Tonnen sollen die Aluminiumschmelzen bis zum Ende des Jahrzehnts 15 Mill. Tonnen produzieren. Eine Verdoppelung der Erdölproduktionskapazitäten auf acht Mill. Fass löse ein Investitionsvolumen von weiteren 30 Mrd. Dollar aus, so Kamoushi. Ein ähnlich hoher Betrag sei wohl für die Erschließung der riesigen Gasfelder nötig.

Zur Realisierung dieser Projekte ist das Land dringend auf ausländische Direktinvestitionen angewiesen. Der Iran unterhält zwar diplomatische Beziehungen zu rund 130 Ländern, aber sein schlechtes Image in Sachen Menschenrechte, die radikale Umsetzung der islam-schiitischen Ideologie, die Unterstützung von Terrorgruppen und das ausgeprägte Misstrauen des Regimes gegenüber dem Westen lassen ausländische Investoren zögern.

Der Präsident der Handelskammer fürchtet, dass die für den WTO- Beitritt nötigen Reformen mit einem weiteren Anstieg der ohnehin hohen Arbeitslosenquote bezahlt werden müssen. Für die auf den Arbeitsmarkt drängenden Jugendlichen müssten jedes Jahr 800 000 neue Jobs bereitgestellt werden. Seit dem Jahr 2000 sind in der iranischen Wirtschaft aber jährlich nur 300 000 neue Jobs entstanden.

Eines der größten Probleme für die heimische Ökonomie ist laut Kamoushi der Schmuggel. Annähernd vier Mrd. Dollar oder fast 20 Prozent aller Einfuhren gelangen auf illegalen Wegen ins Land. Dem Staat entgehen so Importzölle und die geschmuggelten Textilien aus dem Fernen Osten gefährden die Existenz der einheimischen Textilindustrie. Doch dem Staat seien die Hände gebunden, so Kamoushi, weil Basarhändler und religiöse Stiftungen, die die Wirtschaft des Landes kontrollieren, Reformen bekämpften.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%