Chef des Bankenverbands gibt Reformbedarf zu
Aufregung in Liechtenstein

Die Nachricht von Klaus Zumwinkels Konten in Liechtenstein, der vorübergehenden Festnahme des Postchefs und dessen Rücktritt hat in dem Fürstentum wie eine Bombe eingeschlagen. „Es kam für mich sehr überraschend“, sagte der Chef des Bankenverbands in Liechtenstein Michael Lauber dem Handelsblatt. Er ist nicht der einzige dort, der Reformbedarf beim Stiftungsrecht einräumt.

ZÜRICH. Lauber, der seit sieben Jahren in dem kleinen Land dafür sorgt, dass auf dem Finanzplatz internationale Standards gelten, sieht Fortschritte bei seiner Arbeit, wenn er etwa Punkte wie das Gesetz gegen Geldwäsche oder zur Verhinderung von Terrorismusfinanzierung anspricht.

Beim Stiftungsrecht allerdings gebe es Reformbedarf. „Wir müssen die Aufsicht über die Stiftungen sicher verstärken“, sagt er und verweist auf ein entsprechedes Reformpaket, das im Frühjahr im Landtag debattiert werden soll. „Stiftungen sind jedoch ein normales Produkt an Finanzmärkten“, stellt er fest und fügt hinzu: Altfälle wie jetzt offenbar der neueste Fall aus Deutschland werde es auch nach der Reform noch geben. Lauber räumt ein, dass die Reform in den Kreisen der Treuhänder in Liechtenstein, die die Stiftungen verwalten, auch umstritten ist.

Zunehmend ungehalten reagiert der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Finanzmarktaufsicht in Liechtenstein René Melliger auf die Kritik: „Wir erwarten, dass das Stiftungsrecht bald auf neue Füße gestellt wird“, sagt er mit Blick auf die anstehende Reform im Gespräch mit dem Handelsblatt. Auch er hält die jetzt bekannt werdenden Fälle für „Altlasten, von denen allerdings noch weitere auftreten können. Das muss abgewickelt werden.“

Bislang gibt es für die Stiftungen keine Aufsichtsbehörde. Die Finanzmarktaufsicht des Fürstentums kontrolliert allerdings die Treuhänder, die die Stiftungen oft verwalten. Bei der angestrebten Reform geht es nun um eine zentrale Aufsicht für die Stiftungen, die nach Melligers Angaben möglicherweise bei seiner Behörde angesiedelt werden könnte. Zu den Vorwürfen gegen einzelne Banken wie die LGT und die Liechtensteinische Landesbank sagte Melliger: „Die Fälle sind bei uns auf dem Pult. Wenn der Kundenschutz oder der Ruf des Finanzplatzes Liechtenstein gefährdet ist, werden wir handeln.“

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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