China
001 – die Lizenz für Profit

Vor 30 Jahren eröffnete Guo Peiji das erste privatwirtschaftliche Restaurant Pekings. Seitdem hat sich viel verändert im Reich der Mitte – doch Peji ist eine Ikone geblieben. Wie aus einem Feldarbeiter ein mutiger Unternehmer wurde.

PEKING. Guo Peiji ist an diesem Tag spät dran. „Ich hab mal ausgeschlafen“, sagt der 76-Jährige, als er um kurz nach neun in dem kleinen Restaurant in der Cuihua-Gasse ankommt, wo sein Sohn Gemüse putzt. „Bis sechs Uhr hab ich faul im Bett gelegen.“ Normalerweise steht Guo gegen fünf auf, trinkt Tee und macht sich auf die zweistündige Reise vom Vorort Changping in die Pekinger Innenstadt. „Mit der U-Bahn geht es zwanzig Minuten schneller, aber ich fahre lieber gemütlich mit dem Bus“, erzählt er. Guo besitzt zwar auch vier Autos, aber die überlässt er seiner Frau und den Kindern. Um des lieben Friedens willen.

Ginge es nach der Familie, bräuchte Guo schon lange nicht mehr in die Cuihua-Gasse zu kommen. Irgendwann wolle er sich zwar schon zur Ruhe setzen und in den Bergen das Leben eines taoistischen Mönches führen. Doch bisher sei er nach Arbeit so süchtig wie nach Zigaretten, meint er – und außerdem sei die Beziehung zu seinem Restaurant noch enger als die zu seiner Frau.

Schließlich ist das „Yuebin“ (wörtlich: „Gäste Willkommen“) nicht irgendein Lokal. Obwohl es sich mit seinen kahlen Wänden, abgewetzten Möbeln und rustikalen Gerichten kaum von anderen bescheidenen Gaststätten unterscheidet, ist es eine Ikone des chinesischen Reformzeitalters: Als Guo es 1980 gründete, war es das erste privatwirtschaftliche Restaurant Pekings. „Unsere Geschäftslizenz trägt die Nummer 001“, sagt Guo stolz. „Es mag zwar bessere Lokale geben, aber wir werden immer das erste bleiben.“

Damit gehört der Alte zu den Pionieren der „sozialistischen Marktwirtschaft“, die seit 30 Jahren Chinas Entwicklung von einem armen Dritte-Welt-Land zu einer führenden Wirtschaftsmacht prägt. Ihre Wurzeln liegen wenige hundert Meter von Guos Restaurant entfernt. Im Dezember 1978 öffnete das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei dem Klassenfeind eine Tür: Das marxistische Dogma der Abschaffung des Privateigentums fiel (siehe: „Chinas Start in die Privatwirtschaft“). Staatschef Deng Xiaoping gab die Parole aus: „Lasst einige zuerst reich werden“. Einer der einigen war Guo Peiji.

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