China und Indien machen Japan und den Tiger-Staaten zunehmend Konkurrenz
Asien startet technologische Aufholjagd

Die Globalisierung beschleunigt eine neue weltweite Arbeitsteilung, in der Asien eine immer bedeutendere Rolle spielt. China gilt als „verlängerte Werkbank“, Indien als Call-Center-Standort und Software-Schmiede. Japan und Taiwan haben sich als Lieferanten von Hochtechnologie etabliert, während Südkorea sich als Logistikzentrum sieht.

TOKIO/DELHI. Und Hongkong und Singapur positionieren sich als steuergünstige Standorte für regionale Hauptquartiere und Finanzdienstleister. Angesichts des immer rasanteren technologischen Wandels ist diese Arbeitsteilung aber nicht in Stein gemeißelt: „Wir reagieren ständig auf veränderte Rahmenbedingungen“, sagt Teo Ming Kian, Chef des Economic Development Board (EDB) in Singapur.

Handys, Fernseher, Spielzeug oder Christbaumschmuck – China liefert einfach alles. Als Lohnveredler hat sich die Volksrepublik dank niedriger Löhne und eines immensen Arbeitskräftepotenzials einen festen Platz in der globalen Wertschöpfungskette gesichert. 2003 zog das Reich der Mitte so viel Kapital an wie kein anderes Land. Chinas Dynamik hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Arbeitsteilung auch innerhalb Asiens neu organisiert wird: So liefern Tiger-Staaten wie Thailand, die einst Vorreiter eines technologischen Aufschwungs in Asien waren, heute vornehmlich Agrarprodukte nach China.

Auch auf Japan wirkt sich der Boom in der Volksrepublik aus: Während japanische Unternehmen bis Mitte der 90er Jahre oft ganze Fertigungsstätten in Übersee aufbauten, um sich dort Absatzmärkte zu erschließen, verlagern sie heute einzelne Produktionsschritte ins Ausland. So werden etwa Zulieferteile nach China verschifft, um sie dort zusammenbauen zu lassen und dann nach Europa oder in die USA zu exportieren.Die Vernetzung der Produktionsschritte in Asien bringe Japans Firmen mehr Investitionssicherheit, erklärt Martin Schulz vom Fujitsu Research Institute.

Neuen Schub werden die Umwälzungen in Asien auch durch Freihandelsabkommen erhalten, die die Dienstleistungsbranche einbeziehen und auch die Anerkennung technischer Standards umfassen. Singapur und Japan haben bereits einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen. Bis 2010 sollen Handelshemmnisse zwischen den Wirtschaftsblöcken China und Japan und den anderen südostasiatischen Volkswirtschaften fallen, und bis 2020 wollen auch die Asean-Staaten untereinander alle Zölle abgebaut haben.

Nicht zuletzt die technologische Wettbewerbsfähigkeit wird dann darüber entscheiden, wer im Standortwettbewerb die Nase vorn hat. In Malaysia entsteht derzeit das Silicon Valley Asiens, Singapur zielt auf Biotechnologie ab und China lockt IT-Unternehmen. So hat der deutsche Chiphersteller Infineon Forschungsaktivitäten auch in die Volksrepublik verlagert, was in etablierten Hochtechnologiestandorten der Region mit Sorge betrachtet wird.

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