China und Japan konkurrieren um Öl- und Gasressourcen
Asiens Energiehunger sorgt für Konflikte

Es ist eine diplomatische Schlacht auf höchster Ebene, die sich zwischen Japan und China abspielt: Die beiden größten Volkswirtschaften Asiens ringen heftigst um den Zugang zu großen Ölfeldern in Sibirien.

TOKIO/PEKING/DELHI. Tokio macht Druck, dass eine geplante Öl-Pipeline vom russischen Angarsk in den 3 700 Kilometer entfernten Pazifik-Hafen Nachodka führt und will bis zu 14 Mrd. Dollar investieren. Peking drängt Russland, die Röhre stattdessen ins 2200 Kilometer entfernte Daqing in Nordchina zu verlegen.

Der Energiehunger im Reich der Mitte sorgt in der Region für Spannungen: „Wir dürfen es nicht zulassen, dass China verheißungsvolle Energiequellen außerhalb des Nahen Ostens dominiert“, zitiert die japanische Wirtschaftszeitung „Nihon Keizai“ einen hohen Beamten im Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie. Seit Beginn des Jahrzehnts versuchen Chinas staatliche Ölgesellschaften energisch, Zugang zu wichtigen Öl- und Gasquellen in Zentralasien, Südostasien und Afrika zu gewinnen. Die Volksrepublik hat seit 1993 mehr als fünf Mrd. Dollar in Öl- und Gasfelder im Sudan, in Asien, Australien und Lateinamerika investiert. Im Frühjahr unterschrieb die Regierung in Peking einen Kooperationsvertrag mit Kasachstan für den Bau einer 3000 Kilometer langen Pipeline, die 2,5 Mrd. Dollar kosten und jährlich zehn Mill. Tonnen Öl vom Kaspischen Meer in den Westen Chinas liefern soll. Im Februar unterzeichnete der Staatskonzern Sinopec einen 25-Jahres-Vertrag mit Saudi-Arabien für die Erschließung eines großen Ölfelds. Und im März vereinbarte Zhuhai Zhenrong, einer von Chinas vier führenden staatlichen Ölhändlern, mit dem Iran die Lieferung von 110 Mill. Tonnen Flüssiggas in den kommenden 25 Jahren für 20 Mrd. Dollar. China gehe mit seinen Handelsüberschüssen über Staatsfirmen aktiv auf die großen Ölanbieter im Mittleren Osten zu, berichtet Energieexperte Reiji Takeishi vom Fujitsu Research Institut: „Die Unternehmen in Japan schauen oft nur zu.“

Allerdings macht auch die Regierung in Tokio Druck, neue Versorgungsquellen zu finden. Zwar wächst der Energieverbrauch nur noch langsam und soll in rund zehn Jahren seinen Höhepunkt erreichen, doch bleibt der Bedarf auf hohem Niveau. Im Februar unterzeichnete ein japanisches Konsortium trotz Kritik aus den USA einen Vertrag über zwei Mrd. Dollar, der ihm Rechte über das große Azadegan-Ölfeld im Iran sichert. Allerdings stellt sich nun heraus, dass das Projekt nicht rentabel genug sein könnte. Die ersten Partner springen ab. Auf der Suche nach neuen Energiequellen intensiviert Japan auch seine Beziehungen zu Russland. An zwei umweltpolitisch umstrittenen Gasförderprojekten um die Insel Sachalin sind japanische Firmen beteiligt. China hingegen stellte nach mehr als 30 Jahren zu Beginn des Jahres seine Ölexporte nach Japan ein.

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