China
„Wir müssen Banken auch schließen können“

Xu Dianqing, Regierungsberater und Experte für Finanzwissenschaft an der Bejing Normal University, erklärt, warum China immer noch keine Privatbanken hat und warum sich niemand für faule Kredite verantwortlich fühlt.
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PekingProfessor Xu, was steckt hinter der geplanten Vergabe von Banklizenzen an Privatfirmen?
Die Regierung hat schon vor zwölf Jahren die Weichen dafür gestellt, Privatbanken zuzulassen. Ich war an den Prozess als Berater der Regierung beteiligt und habe ihn durch ökonomische Studien begleitet. Leider ist bisher nichts aus den Plänen geworden – die Regierung hat sie verschleppt.
Was ist hier von der neuen Führung unter Premier Li Keqiang zu erwarten?
Die Regierung versteht die Wichtigkeit von Privatbanken für die Evolution des chinesischen Wirtschaftssystems. China hat zwar enorm viele Banken, doch der Mittelstand leidet weiter unter Finanzierungsnot. Die Staatsbanken sind derweil „too big to fail“ und anfällig für Vetternwirtschaft gegenüber großen Staatsbetrieben, die sie mit immer neuen Kreditlinien am Leben erhalten. Nur regionalen Banken ist zuzutrauen, dass sie die örtliche Wirtschaft verstehen.
Doch auch kleine Banken wären anfällig für Vetternwirtschaft.

Das stimmt, deshalb ist eine strenge Überwachung durch Regulatoren hier in der Hauptstadt Peking notwendig. Der allerwichtigste Aspekt ist dabei die Frage nach der geordneten Auflösung der Banken.

Der Auflösung? Warum?

Nur wenn geregelt ist, was mit kranken Instituten passiert, können wir das System gesund erhalten. China hat in den 90er-Jahren über 30.000 Kreditgenossenschaften in ländlichen Gemeinden gründen lassen. Viele davon sind mit über 30 Prozent faulen Krediten belastet und praktisch bankrott. Man kann sie aber nicht einfach auflösen, weil auch die guten Kreditnehmer dann von Kapital abgeschnitten wären.
Die Bankenaufsicht müsste also früh und hart durchgreifen?

Wir haben detaillierte Konzepte dazu ausgearbeitet. Bei einer Linie von sieben Prozent fauler Kredite sollte Schluss sein, dann wird die Bank geordnet abgewickelt. Wenn die Manager das wissen, werden sie sich entsprechend verhalten. Derzeit herrscht sowohl in den großen Staatsbanken als auch in den winzigen Kreditgenossenschaften die Einstellung vor, dass schon nichts passiert, auch wenn die Bonität der Schuldner schlecht ist.
Es geht also um Verantwortung.
Genau. Bei den Staatsbanken ist unklar, wem sie eigentlich gehören. Keiner fühlt sich verantwortlich für faule Kredite. Private Banker würden Verluste dagegen persönlich treffen.
Wie sieht ab jetzt der Zeitplan aus?
Es finden zahlreiche Sitzungen statt, während immer mehr Anträge auf Lizenzen eingehen. Ich würde mir wünschen, gleich hundert Privatbanken zu schaffen. Dann könnten wir nach einigen Jahren zehn davon wieder schließen, um zu zeigen, dass nur solides Management funktioniert.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking

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