Chinas Kulturrevolution
„Ich habe meine Mutter getötet“

Vor 50 Jahren begann in China die Kulturrevolution. Mit der Hetzjagd stürzte Mao Tsetung das Land ins Chaos. Als Jugendlicher verehrte ihn Zhang Hongbing wie einen Gott – und lieferte seine Mutter ans Messer.

PekingAls 16-jähriger Rotgardist tat Zhang Hongbing etwas, was er sein Leben lang bereuen sollte. Als seine Mutter den Personenkult um den „Großen Vorsitzenden“ Mao Tsetung kritisierte und empört seine Bilder verbrannte, meldete der Junge sie den Behörden in Guzhen in der Provinz Anhui. Nach kurzem Prozess wurde seine Mutter als „Konterrevolutionärin“ hingerichtet. Es geschah auf dem Höhepunkt der Kulturrevolution in China, die vor 50 Jahren, am 16. Mai 1966, mit einer Erklärung des Politbüros der Kommunistischen Partei begann.

Heute ist Zhang ein Anwalt in Peking, der mit der Schuld leben muss, aber anders als die meisten Akteure von damals angefangen hat, seine qualvolle Geschichte zu erzählen. „Es war eine Tragödie“, berichtet der 63-Jährige der Deutschen Presse-Agentur in Chinas Hauptstadt. „Wir sollten die Lehren aus der Kulturrevolution ziehen.“

Doch bis heute ist die offiziell als „zehnjährige Katastrophe“ bezeichnete Kulturrevolution von 1966 bis 1976 in China weitgehend ein Tabuthema. Zhang will mit seinen Enthüllungen helfen, dass nicht auch noch die Erinnerung stirbt. „Ich habe Angst, dass es wieder passieren könnte - nur in anderer Form“, sagt Zhang.

Die Kommunistische Partei traut sich nicht, das dunkle Kapitel ihrer Geschichte offen aufzuklären, weil sie es wohl nicht überleben würde. „Die Wunden sind so tief, dass sie bis heute nachwirken“, sagt der kritische chinesische Historiker Zhang Lifan. „Die heutige Führung bezieht ihre Legitimität aus dem Erbe der Generation Maos. Sie fürchtet, ihre Macht zu verlieren, sobald sie die maoistische Ideologie kritisiert oder sogar aufgibt.“

Schlimmer noch: Nationalismus und Nostalgie verklären die Erinnerung an Mao und seine ideologische Säuberungskampagne, die schätzungsweise 1,5 bis 1,8 Millionen Menschenleben forderte. Das Land wurde zerrissen - bis in die Familien. So am Abend des 13. Februar 1970, als der Streit zwischen dem glühenden jungen Rotgardisten und seiner Mutter Fang Zhongmei entbrannte, die Mao als „Verräter“ beschuldigte, weil er sich gegen den damaligen Präsidenten Liu Shaoqi stellte.

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„Ich dachte sogar an Selbstmord“

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