Commerzbank-Chef
Blessing will „Euro-Zone nicht wegen Griechenland riskieren“

Deutschlands Privatbanken können sich Finanzhilfen für Pleitekandidat Griechenland durchaus vorstellen. BdB-Geschäftsführer Kemmer erklärte Gesprächbereitschaft. Es gibt aber auch scharfe Kritik am deutschen Vorstoß.
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BerlinCommerzbank-Chef Martin Blessing beurteilt eine Beteiligung privater Gläubiger an einer Lösung der Schuldenprobleme Griechenlands skeptisch. „Wir haben es auch mit einer Vertrauensfrage zu tun. Zuletzt hieß es: Bis 2013 wird kein Gläubiger zur Sanierung Griechenlands herangezogen. Das soll nun nicht mehr gelten?“, sagte Blessing der „Welt am Sonntag“ in einem am Samstag vorab veröffentlichten Interview. „Das trägt nicht gerade dazu bei, Vertrauen an den Märkten aufzubauen.“

Der Commerzbank-Chef äußerte sich damit deutlich zurückhaltender als der Bankenverband BdB. Dessen Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer zeigte sich im Deutschlandfunk grundsätzlich offen für den Vorschlag von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, dass die Gläubiger Griechenland durch verlängerte Laufzeiten von Staatsanleihen einen Zahlungsaufschub gewähren sollen. Im Jahr 2013 soll der dauerhafte Euro-Rettungsschirm ESM das Provisorium EFSF ablösen. Von diesem Zeitpunkt an ist eine Beteiligung privater Gläubiger an einer Rettung überschuldeter Länder bereits geplant.

Blessing warnte davor, wegen des verhältnismäßig kleinen Landes die Euro-Zone aufs Spiel zu setzen. „Griechenland macht 2,3 Prozent der Wirtschaftsleistung des Euro-Raums aus. Das relativiert vieles“, sagte der Commerzbank-Chef. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass man deswegen den europäischen Integrationsprozess aufgibt. Das wäre eine fatale Entwicklung.“

Isoliert betrachtet, sei eine Umschuldung Griechenlands für ausländische Banken verkraftbar. Wichtig sei jedoch die Frage des Vertrauens an den Märkten. „Die Annahme, dass Staaten besonders sichere Schuldner sind, ist offensichtlich ins Wanken geraten“, sagte Blessing. Staaten könnten sich nur dann verschulden, wenn genug potenzielle Gläubiger das Vertrauen hätten, dass das Geld zurückgezahlt werde. „Dieses Vertrauen darf man nicht verspielen.“

Die Commerzbank hält griechische Staatsanleihen im Umfang von 2,9 Milliarden Euro und ist damit unter deutschen Banken der zweitgrößte Gläubiger Griechenlands nach der Bad Bank der verstaatlichten Hypo Real Estate. Der Bund ist mit einem Anteil von 25 Prozent Hauptaktionär der Commerzbank.

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Bankenverband gesprächbereit

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Kauder fordert Spardisziplin

Kommentare zu " Commerzbank-Chef: Blessing will „Euro-Zone nicht wegen Griechenland riskieren“"

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  • Weder gibt es Wahrheit , noch dein erbärmliches gewinsel von Ideologie, der einzige der was davon versteht scheinst du zu sein, ich versichere dir weder hast du eine Ahnung noch Lebenserfahrung. Das einzige was du willst sind randale Verantwortliche am liebsten lünchen und dann, was ist dann, erheb dich ruhig und du wirst sehr schnell die Rechnung bekommen. Dein Schrott zu lesen ist sinnlos also versuchs mal mit DENKEN.

  • Zitat:"Griechenland müsse mit harter Hand auf einen Weg der Solidität und Stabilität geführt werden."

    Von wem und mit welcher demokratischen Legitimation?

    Der Tag an dem die diktatorische EUdSSR mit der ganzen Brüssel-Mafia und der Fehlkonstruktion "Eurozone" zur Hölle fährt, werde ich ausgiebig feiern!

  • "Blessing warnte davor, wegen des verhältnismäßig kleinen Landes die Euro-Zone aufs Spiel zu setzen."

    Das frage ich mich auch immer, warum machen die das (allen voran der Franzose Trichet)? Gerade die Franzosen waren doch daran interessiert Deutschland mit Hilfe des Euro einzubinden und dann machen sie im Mai letzten Jahres durch Anleihenkaufe und senken der Sicherheitsstandards die EZB zur Bad Bank und kippen ein für Deutschland als Netto-Sparland enorm wichtiges Detail wie das Bail-Out-Verbot.

    Völlig bescheuert! Was meinen die denn, was hier in Deutschland los ist, wenn die Bürgschaften aus dem eh schon ächzenden Michel herausgepresst werden müssen. 20 Milliarden allein für GR plus die Verluste über die EZB-Anteile der Bundesbank. Der Euro und die schöne EU werden ihnen um die Ohren fliegen!

    Und dabei ist das völlig sinnlos, da GR so oder so die Schulden nicht abtragen kann. Hätte man sich an die Regeln der Marktwirtschaft und die Statuten der EZB gehalten, wäre der Euro jetzt glaubwürdiger denn je. Denn sein Vorteil ist ja gerade, dass er supranational ist und nationale Regierungen ihm mit Partikularinteressen nicht hineinpfuschen können. Jeder der sich noch hineinschummeln wollte, wüßte jetzt, dass das überhaupt keinen Sinn macht solange man nicht wirklich reif dafür ist. Der Euro wäre ein Auszeichnung für die man sich anstrengen muss und ein Garant für Europas Stärke. Jetzt verkommt er zur Schmierenkomödie, die Deutschland darüber hinaus teuer zu stehen kommen wird.

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