Dalai-Lama-Besuch
China sieht Beziehungen zu Deutschland „beschädigt“

Die chinesische Regierung sieht die Beziehungen zu Deutschland wegen des Treffens von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Dalai Lama als beschädigt an. Das Außenministerium erklärte, der Empfang des geistlichen Oberhaupts der Tibeter im Berliner Kanzleramt habe „ernsthaft die Gefühle des chinesischen Volkes verletzt und die chinesisch-deutschen Beziehungen untergraben“.

HB PEKING. Ministeriumssprecherin Jiang Yu sagte auf der wöchentlichen Pressekonferenz der Behörde: „China bringt sein tiefes Missfallen zum Ausdruck.“ Deutschland müsse jede „konkrete und effektive Maßnahmen ergreifen, um die negativen Auswirkungen dieser verfehlten Schritte zu eliminieren“. Welche Maßnahmen Peking von der Bundesregierung erwartet, sagte die Sprecherin allerdings nicht.

Ihren Angaben zufolge wollen sich die Außenminister beider Länder, Frank-Walter Steinmeier und Yang Jiechi, am Rande der Uno-Vollversammlung in New York treffen. Dabei werde die chinesische Seite ihre Position noch einmal klar machen. Das Auswärtige Amt hatte am Montag erklärt, das traditionelle Frühstück der Außenminister während der Uno-Woche in New York finde aus „terminlichen Gründen“ nicht statt.

Merkel hatte den Dalai Lama am Sonntag empfangen. Kurz zuvor hatte China seine für den gleichen Tag geplante Teilnahme am deutsch-chinesischen Rechtsstaatsdialog in München aus „technischen Gründen“ abgesagt. Der Dalai Lama gilt als Symbolfigur des tibetischen Kampfes um mehr Autonomie. China wirft dem geistlichen Oberhaupt der Tibeter separatistische Bestrebungen vor.

Deutsche Unternehmensvertreter und Verbände gaben sich bislang gelassen und sehen keine Auswirkungen auf die Wirtschaftsbeziehungen. „Ich beurteile die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen als so tragfähig und von Vertrauen geprägt, dass sie Meinungsverschiedenheiten aushalten können und müssen“, sagte der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Groß- und Außenhandels, Anton Börner, am Montag. „Wir machen gutes Geschäft miteinander, weil beide Seiten davon profitieren.“ Das sei die Grundlage der intensiven wirtschaftlichen Verflechtung von Deutschland und China.

China ist einer der wichtigsten deutschen Handelspartner weltweit. Das Volumen im deutsch-chinesischen Warenhandel wird sich nach Einschätzung von Experten in diesem Jahr der Marke von 90 Milliarden Dollar nähern nach rund 75 Milliarden Dollar im Vorjahr. Seit Jahren ist der rasante Anstieg des Handels mit China eine der Triebfedern des deutschen Exportwachstums.

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