David Cameron
Briten sind keine „schlechten Europäer”

Für viele Briten ist die Europäische Union ein Reizthema – deswegen pocht Premierminister Cameron auf eine Reform der EU. Er hat klare Vorstellungen von der Zukunft der Union und Vorschläge zur Euro-Stabilisierung.
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BerlinDer britische Premierminister David Cameron hat erneut für eine Reform der Europäischen Union geworben und verlangt dazu Änderungen an den EU-Verträgen. „Ich bin absolut überzeugt davon, dass es notwendig sein wird, die Verträge zu öffnen”, sagte Cameron in einem am Montag veröffentlichten Interview der „Süddeutschen Zeitung” und vier anderen Tageszeitungen. „Wir wollen ein Europa, das aufwacht und diese moderne Welt aus Wettbewerb und Flexibilität erkennt.”

Die EU sei „reif für Reformen”, sagte der Premier, der am 23. Januar mit einer Rede zu Europa einen lange erwarteten Diskussions-Prozess über den Verbleib Großbritanniens in der EU gestartet hatte. „Wir glauben, dass sich die Europäische Union manchmal übernommen hat. Das muss sich ändern.” Zugleich machte Cameron klar, dass er Großbritanniens Platz auch weiterhin in der EU sieht. „Die beste Lösung für unser Land wäre eine Mitgliedschaft in einer reformierten EU.” Cameron will in dieser Woche in verschiedenen europäischen Staaten, auch in Deutschland, für seine Reformpläne werben.

Cameron machte deutlich, dass er neue Verträge schon allein zur Rettung der Euro-Zone für unabdingbar hält. Er betonte, dass eine „erfolgreiche Euro-Zone vor unserer Haustür” im Interesse Großbritanniens sei. Zugleich mahnte er institutionelle Reformen wie eine Bankenunion und eine aktive Zentralbank an, ohne die der Euro nicht funktionieren könne.

Zurückhaltend gab sich Cameron mit Ratschlägen an die Krisenstaaten Südeuropas, verwies allerdings auf ähnliche Probleme mit hohem Defizit und mangelnder Produktivität in Großbritannien. Er denke nicht, dass nun Zeit für einen Kurswechsel weg von der Sparpolitik sei, so Cameron. Mit Leidenschaft verteidigte der Premier die britische Rolle in der EU. Sein Land betreibe keine eigenbrötlerische Politik, sondern sei eine „wichtige europäische Macht”.

Er akzeptiere nicht die Auffassung, dass die Briten „schlechte Europäer” seien. „Wir sind immens positiv für Europa.” Großbritannien hat eine Revision der Kompetenzverteilung zwischen Brüssel und London begonnen und strengt bis 2014 eine Reform der Verträge an. Dabei könnte Cameron das wegen der Währungskrise wachsende europakritische Klima zugutekommen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " David Cameron: Briten sind keine „schlechten Europäer”"

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  • @banarepublican: gute Analyse.

    Cameron schneidet zwar ab und zu aktuelle Themen an zB. sparen bei den EU Institutionen, aber die dahinterstehende Motivation stinkt zum Himmel. Da wie eben von Ihnen so schön beschrieben.

    Bin gespannt auf seine Version von Flexibilität und Wettbewerb. Er hat doch auch nicht mehr drauf wie eine weitere Unterbietung und somit weiteren Abbau bestehender Zustände/sozialer Errungenschaften, um sich einen "Vorteil" zu verschaffen. Dies in Kombination mit permanenter Ausweitung der Geldmenge. Dazu ein paar verzweifelte Impulse zur Erhöhung der Produktivität die von Immigranten aus anderen EU Ländern kommen und die damit gleichzeitig oft ihren Heimatländern schaden.

    Wussten Sie eigentlich, dass heutzutage schon mehr Leute in der EU auf öffentlich gespendetes Essen angewiesen sind wie nach dem 2. WK - und das in Friendenszeiten!

    Das sollte einem schon mal zu denken geben. Nun, diese Tendenz befindet sich voll im Steigen.....wir gehen tollen Zeiten entgegen und das Einzige, was diesen Stümpern einfällt, ist weiteres Sozialdumping bzw. Planmodelle, von denen man von vorneherein weiss, dass sie nicht funktionieren werden.

    Und so schadet einer dem anderen und alle zusammen formen wir eine glückliche Gemeinschaft bis zum bitteren Ende.

  • Cameron hat meines Erachtens nach Recht, es gehört dringend eine umfassende Reform in die Wege geleitet. Das Schlimme ist aber, wenn unsere Regierung sich mal in was verbissen hat, dann stehen die Chancen schlecht auf Einsicht. Kohl wollte sich mit der Einführung des Euro ein Denkmal setzen und Merkel will als Euroretterin auf Biegen und Brechen in die Geschichte eingehen und somit sehe ich schwarz, da können die Südländer uns verhöhnen und verspotten, an Fr. Merkel perlt das anscheinend ab wie an Ölzeug und die anderen Regierungschefs outen sich auch nicht als Freunde in der Not sondern lassen ihre Bürger gewähren, bzw. stellt sich keiner vor Angela und spricht mal Klartext mit denen, die sich auf unsere Kosten über Wasser halten, Und in so fern finde ich es gut wenn Cameron ihnen allen "auf den Schwanz tritt".

  • Herr Cameron ist Chef einer noch existierenden Kolonialmacht und dem Kapital absolut hörig. (siehe Steueroasen, Transaktionssteuer, Zähmung der Banken und so weiter....)
    Wieso sollten die reichen Cliquen der Briten denn gute Europäer werden oder gar europäisch denken und handeln?

    Allein der Gedanke daran weckt mein Mißtrauen.

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