Debatte über Afghanistan-Einsatz
Auswärtiges Amt ringt um Geisel-Freilassung

Das Schicksal des vor mehr als zwei Wochen in Afghanistan entführten deutschen Bauingenieurs Rudolf B. ist weiter ungewiss. Bereits seit einigen Tagen wird spekuliert, dass eine Lösung kurz bevorsteht. Das Auswärtige Amt will sich zu diesen Vermutungen nicht äußern. Unterdessen wird über das weitere Engagement der Bundeswehr in Afghanistan diskutiert.

HB BERLIN/KABUL. Das Ringen um die Freilassung des Entführten geht weiter. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte am Samstag, der Krisenstab arbeite weiter mit Hochdruck an der Freilassung des 62-Jährigen. Der Ingenieur war bereits am 18. Juli zusammen mit einem Kollegen verschleppt worden, der von seinen Entführern dann ermordet wurde. Der 44-jährige Rüdiger D. wurde dem Obduktionsbericht zufolge erschossen, nachdem er einen Kreislaufzusammenbruch erlitten hatte. Vermutet wird, dass es sich bei den Tätern um eine Gruppierung der radikal-islamischen Taliban mit kriminellem Hintergrund handelt. Außerdem werden in Afghanistan immer noch 21 Südkoreaner festgehalten.

Der Streit um die Rolle der Bundeswehr in Afghanistan hält an. SPD-Fraktionschef Peter Struck forderte seine Partei auf, die weitere Beteiligung am Anti-Terror-Einsatz „Operation Enduring Freedom“ (OEF) zu billigen. „Den Wiederaufbau in Afghanistan können wir nicht ohne militärische Absicherung gegen Taliban und El Kaida schaffen“, sagte er dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Außerdem setze sich Deutschland ansonsten innerhalb der NATO dem Vorwurf der „Unzuverlässigkeit“ aus.

Hingegen verlangte der Vorsitzende der Jungsozialisten, Björn Böhning, ein Ende der deutschen OEF-Beteiligung. Die Mission sei nicht dazu geeignet, die Eskalation der Gewalt einzudämmen, sagte Böhning im Deutschlandfunk. Er halte ein Engagement der Bundeswehr in Afghanistan zwar nach wie vor für nötig. Es müsse jedoch darum gehen, die Zivilgesellschaft und den Aufbau staatlicher Strukturen zu unterstützen und nicht den Anti-Terror-Einsatz.

Derweil forderte NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer Deutschland auf, sein Engagement in Afghanistan auszudehnen. „Deutschland hat bereits bei der Ausbildung der afghanischen Armee viel Hilfe geleistet. Wenn wir diesen Prozess beschleunigen wollen, müssen wir aber noch mehr tun“, sagte de Hoop Scheffer der „Bild am Sonntag“. Der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) reagierte zurückhaltend auf solche Forderungen: „Da sind zunächst andere NATO-Partner gefragt, die weniger tun als wir.“

Der Bundestag stimmt im Herbst über die verschiedenen Afghanistan- Einsätze ab. Mit zunehmender Dauer des Geiseldramas ist nach mehreren Umfragen der Rückhalt in der Bevölkerung gesunken.

Der sicherheitspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Winfried Nachtwei, warnte vor einem Zusammenbruch der Polizeiausbildung in Afghanistan. In einem Brief an Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), der der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag) vorliegt, schrieb Nachtwei, es bestehe „die akute Gefahr“, dass die EU-Mission Eupol der Aufgabe nicht gewachsen sei „und damit ein Eckpfeiler des internationalen Engagements bricht“.

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