Debatte um Managergehälter
Topverdiener in Holland sollen mehr Steuern zahlen

Die niederländische Regierung macht ernst und will besonders hohe Managergehälter in Zukunft höher besteuern. Einen entsprechenden Vorschlag soll der sozialdemokratische Finanzminister Wouter Bos am Donnerstag dem Kabinett vorlegen. Er habe Vertrauen in seine Kollegen, dass sie ihn bei seinem Vorhaben unterstützen, ließ Bos wissen.

BRÜSSEL. Auch wenn seine Vorschläge noch nicht offiziell sind - in den vergangenen Tagen sind die wichtigsten Punkte bereits durchgesickert. So fordert Bos unter anderem eine Sondersteuer für Abfindungen, die mehr als eine halbe Mill. Euro betragen. Manager, die - aus welchen Gründen auch immer - ihren Betrieb verlassen, müssten dann 30 Prozent Steuern auf ihre Prämie zahlen. Unklar ist, ob eine solche Regelung auch für Prämien gelten soll, die bei Übernahmen gezahlt werden.

Ähnlich wie in Deutschland gibt es in den Niederlanden seit Monaten eine Diskussion über die großzügigen Gehälter und Abfindungen von Managern. Schon seit Herbst vergangenen Jahres arbeitet der Finanzminister an entsprechenden Regelungen.

Ursprünglich wollte er eine Obergrenze für die Gehälter der Topverdiener festlegen. Bisher scheiterte er jedoch am Widerstand der Wirtschaft. Auch mit seinem Plan, Rentenbezüge über 185 000 Euro monatlich höher zu besteuern, kam er bei seinem Koalitionspartner, den Christdemokraten von Premier Jan Peter Balkenende, nicht durch.

Stattdessen will Bos nun diverse andere Steuererhöhungen durchsetzen. So sollen zum Beispiel Niederländer, die mehrere Jahre im Ausland gearbeitet haben und in ihr Heimatland zurückkehren, weniger Steuervergünstigungen bekommen als bisher. Zudem sollen Miteigentümer von Hedge-Fonds in Zukunft als Unternehmer und damit höher besteuert werden als bisher als Aktionäre.

Der Gewerkschaftsbund FNV hat die Regierung in den vergangenen Wochen mehrfach kritisiert und strengere Regeln für die Topmanager gefordert. "Die Sozialpartner und die Politiker reden jetzt schon ewig darüber und nichts passiert. Unterdessen sind die hohen Gehälter zu einem gesellschaftlichen Problem geworden", sagt FNV-Vorstandsmitglied Wilna Wind. Sie sorgten für Irritation und Unmut bei den Bürgern.

Nach Berechnungen des niederländischen Verbandes von Führungskräften sind die Gehälter der niederländischen Manager im vergangenen Jahr nur um 3,3 Prozent gestiegen. "Das ist eine eher moderate Steigerung", sagt der Verbandsvorsitzende Willem Hollander. "Aber die Diskussion um die Topeinkommen ist eine sehr emotionale."

Schon jetzt herrscht in den Niederlanden zumindest eine größere Transparenz als in anderen EU-Staaten, was die Gehälter der Topmanager angeht. Auf einer Internetseite geben die Unternehmen darüber Auskunft. Die Prämien sind im vergangenen Jahr in die Höhe geschossen - vor allem wegen der Übernahmen des Lebensmittelkonzerns Numico und der Bank ABN Amro.

Die Chefs der Unternehmen strichen insgesamt - also einschließlich Prämien und Aktienbeteiligungen - 74 bzw. 21 Mill. Euro ein. Und auch der ehemalige Chef des Lebensmittelkonzerns Ahold, Anders Moberg, konnte sich freuen. Wie am Donnerstag bekannt wurde, bekam Moberg bei seinem Rücktritt 2007 eine Einmalprämie von 3,4 Mill. Euro - und für die muss er auch noch keine Sondersteuer bezahlen. Die Gewerkschaften haben angekündigt, die Topgehälter - ungeachtet der Vorschläge von Regierungsseite - zum Thema zu machen.

Ruth Reichstein
Ruth Reichstein
Handelsblatt / Korrespondentin
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