Debatte um US-Rettungspaket
Wie gebe ich 700 Milliarden Dollar aus?

An der Debatte um die sinnvollste Verwendung des 700 Milliarden Dollar schweren US-Rettungspakets scheiden sich die Geister. Während zwei Auktionsexperten eine umgekehrte Versteigerung für jedes Wertpapier vorschlagen, drängt der Finanzprofessor Lucien Bebchuk darauf, die Wertpapiere zu einem marktnahen Preis zu kaufen. Schwarzenegger-Berater Edward Leamer weiß gar, wie man den Banken mit weniger Geld aus der Patsche helfen kann.

FRANKFURT. Der im Kongress zunächst gescheiterte Plan von Finanzminister Henry Paulson, den Banken für 700 Mrd. Dollar notleidende Wertpapiere abzukaufen, ist von renommierten Wissenschaftlern kaum besser aufgenommen worden als von den Parlamentariern. Sie kritisieren, dass der Finanzminister Banken auf unsystematische und potenziell willkürliche Weise mit Staatsgeld versorgen wolle, ohne sicherzustellen, dass die beabsichtigten Ziele erreicht werden. Außerdem bezweifeln sie, dass es für den Plan keine Alternativen gibt, wie von der Regierung herausgestellt.

In der Internet-Fachzeitschrift „The Economists’ Voice“ beschreiben die führenden Auktionsexperten Lawrence Ausubel und Peter Crampton, wie ein sinnvolles Verfahren aussehen müsste, mit dem der Staat den Banken Wertpapiere abkaufen könnte, für die es keinen Marktpreis mehr gibt. Der Staat müsse für jedes Wertpapier einzeln eine umgekehrte Auktion veranstalten. Vorher wäre festzulegen, welchen Anteil der Papiere, zum Beispiel 50 Prozent, der Staat aufkaufen will.

Angefangen bei 100 Prozent des Nennwerts würden Gebote eingeholt und der Angebotspreis so weit gesenkt, bis nur noch die angepeilten 50 Prozent der Papiere angeboten werden. Als Sicherungsmaßnahme, damit der Staat nicht von sich absprechenden Banken übervorteilt wird, wäre ein Besserungsschein geeignet. Dieser legt den Verkäufern auf, bei einem Wiederverkauf der Papiere nach Ende der Krise Verluste zu erstatten.

Der Vorteil des Verfahrens: Den Gewinnern der Auktion fließt Liquididät zu. Die Verlierer haben den Vorteil, dass durch die Auktion ein glaubwürdiger Marktpreis festgestellt wird, der den Handel erleichtert. Die beiden Experten warnen vor der simplizistischen Alternative, einfach für alle Wertpapiere gleichzeitig eine umgekehrte Auktion zu veranstalten. Dann würden nur die allerschlechtesten Papiere zu einem überteuerten Preis verkauft, und für die übrigen wäre nichts gewonnen. Der Finanzminister wollte sich in seinem Plan praktisch volle Freiheit geben lassen, zu welchem Preis er welche Papiere von wem kaufen würde.

Lucien Bebchuk, ein renommierter Rechts- und Finanzprofessor kritisiert die geplante Vermischung von Liquiditätshilfe und Rekapitalisierung durch Bezahlung überhöhter Preise. Er drängt darauf, die Wertpapiere zu einem marktnahen Preis zu kaufen und separat für die Rekapitalisierung der Banken zu sorgen, unter anderem auch dadurch, dass diese zu Kapitalerhöhungen gezwungen werden.

Auch Edward Leamer, Berater von Kaliforniens Governeur Arnold Schwarzenegger, skizziert einen Plan, wie man mit weniger als 700 Mrd. Euro direkt die Probleme des Immobilienmarkts beheben und damit indirekt vielen Banken aus der Patsche helfen könnte.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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