Defizitlatte wurde allerdings nicht gerissen
Athen lieferte auch vor 2000 falsche Zahlen

Griechenland muss erneut sein Staatskonto korrigieren. Nicht nur in den Jahren 2000 bis 2003, sondern auch schon 1997 und 1999 meldete Athen geschönte Defizit-Zahlen nach Brüssel. Nach Angaben Athens lag das Staatsdefizit damals aber nicht über der EU-weit zulässigen Schwelle von drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

jh/ghö BRÜSSEL/ATHEN. Das EU-Statistikamt Eurostat wollte die korrigierten Zahlen gestern nicht bestätigen. Man analysiere das Datenmaterial noch, sagte der Behördensprecher. Eurostat-Experten hatten in der vergangenen Woche vor Ort die Statistiken der Jahre, die die Grundlage für die Aufnahme Griechenlands in die Euro-Zone waren, erneut geprüft. Die EU-Finanzminister werden sich heute Abend und am Donnerstag in Luxemburg mit den griechischen Daten beschäftigen. Währungskommissar Joaquín Almunia will seine Vorstellungen zur Verbesserung des Zahlenmaterials konkretisieren, sagte sein Sprecher. Die Union sieht dringenden Handlungsbedarf. Die Verbesserung der nationalen Statistiken wird eingehen in die Reform des Stabilitätspaktes.

Die seit dem Frühjahr regierenden Konservativen hatten nach kritischen Stellungnahmen aus Brüssel festgestellt, dass die vorherige sozialistische Regierung in den Jahren 2000 bis 2003 falsche Defizitzahlen nach Brüssel gemeldet hatte. Nach der Überarbeitung steht fest, dass das Land seit 2000 den Stabilitätspakt verletzt hat. Hintergrund der falschen Zahlen sind nicht verbuchte Rüstungsausgaben und zu hoch angesetzte Überschüsse bei der Sozialversicherung. Nach eingehender Analyse durch die EU-Kommission habe sich zudem gezeigt, dass Mehrwertsteuereinnahmen zu hoch und Zinszahlungen zu niedrig angesetzt worden seien, berichteten gestern EU-Diplomaten.

Befürchtungen, Griechenland habe schon in den Jahren 1997 bis 1999 den Pakt verletzt und sich den Beitritt zur Währungsunion mit geschönten Zahlen erschlichen, bestätigten sich laut griechischer Einschätzung bei der jüngsten Revision indes nicht. Dennoch musste Athen die Defizitquoten nach oben korrigieren. 1999 lag sie bei 2,5 % und nicht wie zunächst angegeben bei 1,8 %.

In Brüssel und Athen wächst derweil die Sorge, dass das diesjährige Defizit auf Grund der enormen Kosten der Olympischen Spiele höher als erwartet ausfallen könnte. Athens Finanzminister Jorgos Alogoskoufis hatte vor wenigen Wochen ein Defizit von 5,3 % prognostiziert. Alogoskoufis will das Etatloch 2005 auf 2,8 % des BIP drücken. „Das sei praktisch nicht machbar“, zweifeln EU-Diplomaten. Sollte Athen das Ziel nicht erreichen, droht die EU dem Land EU-Fördergelder zu streichen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%