Der Siemens-Chef im Handelsblatt-Gespräch
Von Pierer: „Asien wird Exportmotor für Deutschland“

Siemens-Chef Heinrich von Pierer appelliert an die deutsche Wirtschaft, sich stärker in Asien zu engagieren, um von der dortigen wirtschaftlichen Dynamik zu profitieren. Zwar sei es durchaus mit Risiken verbunden, in dieser Region Geschäfte zu machen. "Aber es ist ein noch größeres, nicht dabei zu sein und von diesen Wachstumschancen nicht zu profitieren", sagte von Pierer, der auch Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft ist, dem Handelsblatt.

Handelsblatt: Herr von Pierer, Asien hat nach der Finanzkrise zur Wachstumsstärke zurückgefunden. Selbst Japan zeigt neue Dynamik. Verschieben sich die Antriebskräfte für die Weltwirtschaft gen Asien?

Heinrich von Pierer: Ich hatte nie einen Zweifel daran, dass Asien nach der Krise wieder kommt. Heute, gut fünf Jahre danach, trägt die Region Asien-Pazifik zusammen immerhin ein Viertel zur Weltwirtschaftsleistung bei. Und die Entwicklung verlief in einigen Ländern stürmisch. China zum Beispiel hat seit 1990 Westeuropa und die USA hinter sich gelassen und ein Wachstum von real 9,5 Prozent erzielt. Das Land ist damit die dynamischste Wirtschaft weltweit. Und die Konjunkturerwartungen bleiben hoch. Wenn sich die Wachstumsaussichten in den nächsten Jahren auch auf „nur“ sieben Prozent pro Jahr verringert haben, wird China damit noch immer mehr als doppelt so schnell wachsen wie die USA und gut dreimal so schnell wie Westeuropa. Das ist beeindruckend.

Bleibt China der Katalysator in Asien, oder hat Indien eine Chance nachzuziehen?

Beide Länder sind wichtige Märkte in Asien. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von knapp 1,4 Billionen Dollar rangiert China schon heute hinter den großen Industrienationen weltweit an siebter Stelle. Indien hat die große Zukunft noch vor sich: Die Hälfte der Bevölkerung – das sind insgesamt eine Milliarde Menschen – ist unter 20 Jahren. Der indische Markt wächst mit jährlich 6,5 Prozent und hat mit 200 Millionen Menschen eine beachtliche Mittelschicht entwickelt. Wenn man die Kaufkraft vergleicht, ist Indien sogar die viertgrößte Volkswirtschaft – hinter den USA, China und Japan.

Stößt China an die Grenzen des Wachstums? In den Kernregionen macht sich eine Knappheit an Technikern und Energie bemerkbar.

China hat nahezu unerschöpfliche Reserven. Jedes Jahr verlassen mehr als 360 000 Ingenieure die chinesischen Universitäten. Schon heute hat China 900 000 Forscher. Das ist ein hervorragender Nährboden für den Ausbau von Forschung und Entwicklung. Außerdem zeichnen sich die Menschen durch hohe Kreativität, Motivation und Talent aus. Dieses Potenzial wollen wir auch bei Siemens nutzen. Also – ich mache mir da keine ernsthaften Sorgen.

Machen sich deutsche Firmen die Dynamik in den asiatischen Märkten genügend zu Nutze?

Viele deutsche Unternehmen sind in Asien schon lange vertreten und genießen dort einen hervorragenden Ruf. Das gilt besonders für Elektronik und Elektrotechnik, aber auch für die Automobilbranche, Maschinenbau und andere mehr. Der WTO-Beitritt von China bietet deutschen Firmen zusätzlich Chancen, im Land Boden gut zu machen. Denn die Eintrittsschranken werden massiv gesenkt und WTO-Regeln nach und nach in chinesisches Recht überführt. Schon jetzt haben sich die Investitionsbedingungen entscheidend verbessert. Die Rechtssicherheit steigt. Auch die Großprojekte Olympia 2008 und Expo 2010 eröffnen hervorragende Möglichkeiten.

Seite 1:

Von Pierer: „Asien wird Exportmotor für Deutschland“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%