Deutsch-chinesische Wissenschaftskooperation
Forscher kooperieren - und fürchten Ideenklau

Bislang ging es bei den deutsch-chinesischen Wissenschafts-Beziehungen eher um forschungspolitische Entwicklungspolitik, die sich auf die Ausbildung der Chinesen konzentrierte. Künftig soll die Kooperation „auf Augenhöhe“ stattfinden, bis hin zu gemeinsamen Instituten. Bildungsministerin Annette Schavan unterzeichnete ein Abkommen in Peking.

Liu Jinyang kennt keine Scheu: Im Internet hat Bundesbildungsministerin Annette Schavan ein Praktikum in ihrem Büro ausgeschrieben – „das interessiert mich“, grinst der 20-Jährige im gelben Kapuzenpulli. An Selbstbewusstsein mangelt es Liu, der an der Shanghaier Elite-Uni Tongji Fahrzeugtechnik studiert, nicht. So kann die deutsche Ministerin nach ihrer Rede über internationale Eliten den Vorstoß nur honorieren: Wenn Liu im siebten Semester nach Deutschland komme, dürfe er zumindest in ihrem Büro vorstellig werden.

Liu steht für das neue China, jenes China, das auch in der Forschung mit Macht nach vorn drängt. Heute geben nur noch die USA absolut mehr Geld für Forschung und Entwicklung aus als das Reich der Mitte. Deutschland ist auf den dritten Platz gerutscht.

In den Disziplinen Nanotechnologie, Materialforschung, Informations- und Biotechnologie sowie Physik, Chemie, Mathematik und Geowissenschaften „hat China Weltniveau erlangt“, heißt es im deutschen Forschungsministerium – Grund genug, die wissenschaftlich-technologische Kooperation mit dem „interessantesten Partner in Asien“ auf ein neues Niveau zu heben, wie Schavan in Peking bei der Unterzeichnung eines entsprechenden Abkommens hervorhob. Denn „wenn Deutschland so weiter macht wie bisher, könnten wir gegenüber anderen Ländern zurückfallen“, heißt es in einem Strategiepapier ihres Hauses.

Ging es bislang eher um forschungspolitische Entwicklungspolitik, die sich auf die Ausbildung der Chinesen konzentrierte, soll die Kooperation trotz aller noch existierenden Schwierigkeiten künftig „auf Augenhöhe“ stattfinden, bis hin zu gemeinsamen Instituten. Und das nicht nur in Peking und Schanghai, sondern auch in anderen finanzkräftigen Provinzen. Überschattet wird die neue Ära jedoch zumindest in der anwendungsorientierten Forschung – wie in der Wirtschaft – von dem Problem, das geistige Eigentum zu schützen. „Je intensiver der Austausch, desto stärker müssen wir die Spielregeln einhalten, die unsere intellectual property schützt“, mahnte Schavan an der Uni Tongji.

So wie die Fraunhofer-Gesellschaft, die mit den Chinesen etwa ein Projekt zur DNA-Analyse von Cashmere plant, um die Echtheit der Nobelwolle zu prüfen. „Wir liefern die Technik, aber den Trick verraten wir nicht“, sagt Georg Rosenfeld. Er managt die internationalen Beziehungen der Fraunhofer-Gesellschaft, die traditionell ihren Kunden der Industrie ins Ausland folgt.

Dennoch: Angesichts der „explodierenden Zahl der wissenschaftlichen Publikationen aus China dürfen wir nicht auf bessere Zeiten warten, sondern müssen jetzt Vertrauen aufbauen und langen Atem beweisen“, sagt Rosenfeld. Ein erster Schritt ist das Institut für Mobile Kommunikation in Berlin, das sich organisatorisch mit einem chinesischen Partner zusammen getan hat. Künftig will Fraunhofer auch im Maschinenbau mit der Tongji-Uni eine Kooperation aufbauen.

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