Deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen
Enge Bande

Deutschland ist der wichtigste Handelspartner der Türkei. Die Beziehungen haben eine lange Geschichte. Schon beim Bau der Bagdad-Bahn mischten deutsche Unternehmen mit.
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Würde Bundespräsident Joachim Gauck bei seinem Türkei-Besuch durch eines der Einkaufszentren schlendern, die es in immer größerer Zahl in Anatolien gibt, dürfte ihn vieles an Deutschland erinnern: Tchibo und Saturn, Bauhaus und Media Markt, Deichmann, Rossmann und Real: überall trifft man auf deutsche Einzelhandelsketten.

Wie die Beziehungen zwischen beiden Völkern, haben auch die deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen eine lange Tradition. Sie reicht zurück bis in die Ära des Osmanenreichs. 1761 unterzeichneten Friedrich der Große und Sultan Mustafa III. einen Freundschafts-, Schifffahrts- und Handelsvertrag. Preußische Offiziere übernahmen Mitte des 19. Jahrhunderts die Modernisierung des osmanischen Heeres. Daraus wurde die deutsch-türkische „Waffenbrüderschaft“ im Ersten Weltkrieg, an die man sich in der Türkei bis heute sehr lebhaft erinnert.

Parallel zur militärischen Zusammenarbeit entwickelten sich die Wirtschaftsbeziehungen. 1856 baute Siemens in Istanbul das erste Telegraphenamt. Anfang des 20. Jahrhunderts nahmen das Bauunternehmen Philipp Holzmann und die die Deutsche Bank als Finanzier den Bau der legendären Bagdad-Bahn von Anatolien in den Nahen Osten in Angriff. Bosch folgte mit einer Niederlassung in Istanbul 1910. Mercedes und MAN bauen seit den 1960er Jahren in der Türkei Lastwagen und Omnibusse – auf einem Qualitätsniveau, das dem in Deutschland entspricht, wie die Firmen unterstreichen.

Inzwischen beläuft sich das bilaterale Handelsvolumen auf rund 33 Milliarden Euro, womit Deutschland der wichtigste Wirtschaftspartner der Türkei ist. Auch bei den ausländischen Investitionen liegt Deutschland mit rund zwölf Milliarden Dollar seit 1980 an der Spitze. Mitte der 1990er Jahre gab es etwa 500 Firmen mit deutscher Kapitalbeteiligung in der Türkei. Heute sind es bereits annähernd 6000. Nach großen Konzernen wie BASF, Siemens, Bayer und Bosch zieht es inzwischen auch immer mehr mittelständische deutsche Unternehmen in die Türkei. Für viele ist das Land nicht nur wegen seines großen Binnenmarktes und seiner jungen, konsumfreudigen Bevölkerung interessant sondern auch als strategisch günstig gelegener Produktionsstandort für Exporte nach Nahost, Asien und Afrika.

Gerd Höhler
Gerd Höhler
Handelsblatt / Korrespondent Südosteuropa

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