Deutsche-Bank-Vorstand
Fitschen mag Euro-Bonds

Der designierte Nachfolger bekennt Farbe: Während Noch-Vorstand Josef Ackermann skeptisch ist, kann der zukünftige Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, Euro-Bonds etwas abgewinnen.
  • 29

Berlin/FrankfurtDer künftige Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, hat sich bei seinem Auftritt vor der Klausurtagung der FDP-Bundestagfraktion grundsätzlich für die Einführung von Euro-Bonds ausgesprochen. Dies sei ein Instrument, über das es sich längerfristig lohne nachzudenken. Es müsse aber so ausgestaltet werden, dass die im Markt vorhandenen Zinsunterschiede erhalten bleiben.

Fitschen, der in seiner künftigen Rolle als Deutsche-Bank-Chef auch für die Kontakte des Unternehmens in die Spitzen der Politik zuständig sein wird, hatte vor den FDP-Bundestagsabgeordneten für limitierte Euro-Bonds geworben. Bis zu einer Verschuldung von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts sollten die europäischen Gemeinschaftsanleihen eingeführt werden, sagte der Bankmanager nach Angaben von Teilnehmern. Die Euro-Bonds seien ein Vertrauenssignal an die Finanzmärkte. Außerdem würden sie den Anreiz zur Sparsamkeit bieten, da Staatsanleihen über die 60-Prozent-Grenze wesentlich höher rentieren würden.

Damit wagt sich Fitschen in der Diskussion um die umstrittenen Euro-Bonds deutlich weiter nach vorne als der bisherige Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, der gemeinsam von den Euro-Ländern getragene Anleihen ablehnt. „Ich bin mit der Bundesregierung der Meinung, dass Eurobonds im Moment kein Königsweg wären“, sagte Ackermann noch gestern. Von hoch verschuldeten Ländern werde so der Spardruck genommen, und die starken Länder hätten einen hohen Preis zu zahlen. Euro-Bonds könnten zwar die Ultima Ratio in einem längeren Prozess sein. „Jetzt wären sie falsch“, betonte Ackermann.

Auf Nachfrage betonte aber ein Deutsche-Bank-Sprecher, auch Fitschen halte im Moment die Zeit noch nicht reif für Euro-Bonds. Er wolle aber verhindern, dass die Gemeinschaftsanleihen verteufelt würden.

Bei den FDP-Abgeordneten erntete Fitschen mit seinen Vorstoß deutliche Ablehnung. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle lehnte am Ende der FDP-Klausurtagung die "Vergemeinschaftung der Schulden" ab. Auch FDP-Finanzexperte Volker Wissing sprach sich klar gegen Euro-Bonds aus. Die Liberalen würden es nicht zulassen, dass der deutsche Steuerzahler für die Schulden des gesamten Währungsraums einstehen müsse.

Erneut sprach sich heute auch Bundeskanzlerin Angela Merkel gegen die Gemeinschaftsanleihen aus. „Euro-Bonds halte ich für die falsche Antwort“, sagte Merkel gestern.

Daniel Goffart
Daniel Goffart
Handelsblatt / Ressortleiter
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Deutsche-Bank-Vorstand: Fitschen mag Euro-Bonds "

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Der Meinung: Nein zum Euro-Bond bin ich auch. Dazu müssten erst viele Fakten im Detail geschaffen werden.

  • 2)

    Was Fitschen angeht: Natürlich könnte er mit Eurobonds 25% Gewinn machen:
    1. braucht er keine hohen Abschreibungen auf vorh. Anleihen zu fürchten die sich im Fall eines Schuldenschnitts ergeben würden; die Verlustvermeidung könnte durchaus 25% betragen oder noch höher sein
    2. könnte er noch z.B. griechische Anleihen dazukaufen;
    die zweijährigen rentieren derzeit mit gut 46%, zehnjährige mit gut 18%.


    Ihre Thesen zur Inflation sind auch völlig realitätsfremd. Das Sie behaupten Inflation wäre für Spekulanten schlecht und für die Bevölkerung nicht unbedingt von Nachteil finde ich geradezu erheiternd. Das ist ja so als wenn ich mir im Lokal die Gabel in die Hand ramme weil ich mich über den Wirt ärgere und mich dann darüber freue die Tischdecke versaut zu haben.
    Besonders hierzulande: Die Lohnentwicklung kam noch nicht mal der bisher mäßigen Inflation hinterher, die Reallöhne in Deutschland sinken seit Jahren.
    Als Anleger (oder mit Ihren Worten Spekulant) hat man wesentlich bessere Möglichkeiten, da verschiedene Papiere die Inflation auffangen.

    Das Irland sich nicht durch eine entsprechende Währungspolitik entschulden kann, damit haben Sie recht, allerdings ist es nicht zielführend den letzten Rest Bonität aus dem Fenster zu werfen.
    Daher sollten wir den EUROPOPULISTEN die rote Karte zeigen und schnellstmöglich zu nationalen Währungen zurückkehren bevor dieses demokratisch nicht legitimierte Euro-Fehlkonstrukt zum Spaltkeil mutiert an dem Europa zerbricht.

  • @ proLINKS

    1)

    Naja, erstens ist Irland kein Industrieland.
    Jedenfalls keines das man mit Japan vergleichen könnte, da das meiste Geld nicht in Irland erwirtschaftet wurde sondern wegen der geringen Steuersätze nur buchhalterisch dorthin verschoben wurde.

    Zweitens schreiben Sie selbst das Irland Anfang der 90er ca. in Höhe des BIP verschuldet war; da in etwa ist es jetzt wieder.
    Dazwischen hatte der Finanzsektor Ihres "Klassenbesten" auf halsbrecherische Art Gewinne mit genau den Papieren eingefahren die ihm letztendlich um die Ohren geflogen sind, das Land schuldenmäßig an den Ausgangspunkt zurückkatapultiert haben und die hierzulande nicht nur von Linken als Zockerpapiere bezeichnet werden.

    Namhafte Banken haben Geschäfte über Tochtergesellschaften in Irland abgewickelt die in anderen Ländern (vorsichtig ausgedrückt) "so nicht erlaubt" gewesen wären.

    Irland hat sehr gut an den Umständen verdient die zur Krise geführt haben, weil es so stark involviert war ist es aber auch so stark getroffen worden.
    Übrigens ging das auch etlichen Sparern aus D, GB, NL usw. so die wegen der hohen Verzinsung ihr Geld lieber bei den dortigen Banken anlegten: Einlagensicherungsfond = Fehlanzeige.

    Das jemand der pro Links ist (ich gehe davon aus das das politisch gemeint ist) ausgerechnet Irland als armes Krisenopfer ansieht zeigt mal wieder das sich Wissen nicht durch Ideologie ersetzen lässt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%