Deutsche fallen als Investoren zurück
Globalisierung verleiht Indien Aufwind

China stellt alles in den Schatten – doch mit Indien reift in der Wachstumsregion Asien eine zweite Wirtschaftsmacht heran.

HB NEU DELHI. Noch sind die ausländischen Direktinvestitionen auf dem Subkontinent mit vier Mrd. Dollar im Jahr gering, doch das Potenzial ist gewaltig: Die Handels- und Entwicklungsorganisation der Uno (UNCTAD) sieht Indien – neben China und den USA – als Land, das in den nächsten Jahren die meisten Direktinvestitionen anziehen wird. Im Index der attraktivsten Investitionsziele der Unternehmensberatung A.T. Kearney ist Indien bereits von Rang sechs auf Rang drei gesprungen, hinter China und den USA.

Grund für diese Trendwende sind strukturelle Veränderungen – in Indien und in der globalen Arbeitsteilung. Das Land hat sich dank seines riesigen Reservoirs englischsprachiger Fachkräfte als Standort Nummer eins für die Verlagerung hoch qualifizierter Arbeitsplätze etabliert. In vielen Unternehmensstrategien ergänzt Indien als „verlängertes Büro“ die „verlängerte Werkbank“ China. Auch als Absatzmarkt und Standort für die Exportproduktion wird das Land wichtiger. Das gilt vor allem in Branchen wie Pharma, Textilien, Feinchemie und Automobilindustrie.

Ein dauerhaft hoher Zustrom von Auslandskapital ist unerlässlich, will das Land sein Wachstumsziel von acht Prozent erreichen und seine miserable Infrastruktur verbessern. Diese ist zugleich das größte Investitionshindernis: Marode Flughäfen, überlastete Häfen und holprige Straßen erschweren die Logistik; Strommangel führt zu Produktionsausfällen. „Kein Land der Welt braucht so viel Auslandsinvestitionen wie Indien,“ sagte Finanzminister Palaniappan Chidambaram diese Woche auf dem Indien- Gipfel des World Economic Forum. Er beziffert den Bedarf auf 150 Mrd. Dollar über zehn Jahre, vor allem im Infrastrukturbereich. Chidambaram versprach, das Investitionsklima zu verbessern, Branchen wie Telekom, Banken und Versicherungen stärker für Ausländer zu öffnen und das Wachstum dauerhaft bei mindestens sieben Prozent zu halten. Doch muss sich seine Mitte- links-Regierung gegen Vorwürfe wehren, unter dem Druck ihrer kommunistischen Partner den Liberalisierungsprozess zu bremsen. Besonders abschreckend für Investoren wirken die kafkaeske Bürokratie mit langen Genehmigungswegen, hohe Zölle und Steuern sowie ein drakonisches Arbeitsrecht.

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