Deutscher Kabelspezialist in der Ukraine
Lockruf der niedrigen Löhne: Leoni hört die Signale

Gut ausgebildete Arbeitskräfte, ein konkurrenzloses Lohnniveau und halbwegs stabile Rahmenbedingungen: Der deutsche Kabelspezialisten Leoni ist dem Lockruf der ukrainischen Provinz gefolgt und ist heute einer der größten Arbeitgeber in der Westukraine. Doch bis die Produktion Fahrt aufgenommen hat, musste einiges an Vorarbeit geleistet werden.

MÜNCHEN. Die Anreise ist beschwerlich. Zwei Tage sind die LKWs unterwegs, die Autobahn hört kurz hinter Krakau auf, dann geht es auf Landstraßen bis zum Ziel. Auch wer fliegt, muss sich Zeit nehmen: Einmal täglich schickt die Austrian Airlines einen Regionaljet nach Lemberg, von dort aus sind es noch mal 80 Kilometer über die ukrainische Landstraße. Doch einmal angekommen bietet das 60 000 Einwohner-Städtchen Stryj reizvolle Seiten: gut ausgebildete Arbeitskräfte, ein konkurrenzloses Lohnniveau und halbwegs stabile Rahmenbedingungen.

„Vor unserem Engagement war die Ukraine für uns ein weißer Fleck“, sagt Uwe H. Lamann, Vorstandsmitglied des Nürnberger Kabelspezialisten Leoni. Ein weißer Fleck, der schnell mit Leben gefüllt wurde. Das 2003 fertiggestellte Werk ist heute einer der größten Arbeitgeber in der Westukraine, 3 000 Menschen verdienen in Stryj ihr Geld mit der Fertigung von Bordnetzen. Ob der Airbag im Opel oder der Zigarettenanzünder im Porsche: Sie alle sind mit Kabelbäumen aus der Westukraine verdrahtet.

„In unserer Branche ist die Verlagerung einfacher Tätigkeiten ein absolutes Muss“, sagt Lamann. Die elektronischen Anwendungen im Auto nehmen zu, gleichzeitig aber auch die individuelle Ausstattung. Die biegsamen Kabelbäume lassen sich aber nur von Hand zusammenstecken. Seit Jahren verlagert Leoni solche Arbeiten nach Tunesien, in die Slowakei oder nach Rumänien. Mit einem Stundenlohn von rund einem Euro setzte die landwirtschaftlich strukturierte Ukraine neue Maßstäbe an der EU-Außengrenze.

„Wir haben erst einmal dem Gouverneur den Plan vorgestellt, dann sind wir mit Unterstützung der deutschen Botschaft zu Präsident Kutschma,“ erinnert sich Lamann. Die ehemalige ukrainische Regierung erkannte sofort die Dimension des Projekts und ebnete den Weg durch den Behördendschungel. 13 Monate dauerte der Bau der Fabrik. Die Deutschen brachten Material und Spezialisten aus der Slowakei mit, die Nachfrage nach Material drohte so manchen ansässigen Lieferanten zu überfordern.

Das galt zunächst für die gesamte Infrastruktur. „Wir mussten Hotelkapazitäten für unsere Mitarbeiter schaffen“, sagt Lamann. Leoni kam mit einem österreichischen Investor ins Geschäft, der für eine ordentliche Herberge vor Ort sorgte. Auch der Nahverkehr muss neu organisiert werden. Die Arbeiter wohnen bis zu 40 Kilometer von Stryi entfernt, Werksbusse bringen die Menschen zur Arbeit. Schnell hat die Produktion Fahrt aufgenommen. 40 000 Kabelsätze verlassen inzwischen pro Tag die Fabrik. Erreichen sie pünktlich die Autofabriken in Deutschland, Belgien und Großbritannien, bringt jeder Kabelsatz zwischen 250 und 400 Euro.

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