Die Hijab von Frau Gül wird zum Politikum
Türkisches Militär fürchtet Präsidentengattin mit Kopftuch

Die Wahl des neuen türkischen Präsidenten geht heute in die dritte und entscheidende Runde. Aussichtsreichster Kandidat ist Außenminister Abullah Gül von der religiös-konservativen Regierungspartei AKP. Die türkische Militärführung sieht mit der Wahl Güls den säkularen Staat in Gefahr. Im Verhalten seiner Ehefrau sehen sie einen weiteren Beweis für ihre Befürchtungen.

HB ISTANBUL. Ein Kopftuch versetzt die Türkei in Aufregung: Hayrünnisa Gül will sich nicht von den bunten Seidentüchern trennen, die ihren Kopf in der Öffentlichkeit stets bedecken. Für die säkularen und laizistischen Kräfte der Türkei ist eine First Lady mit Kopftuch eine Schreckensvorstellung.

Schließlich hat auch der säkulare Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk, der das Land modernisierte und religiöse Kleidung aus der Öffentlichkeit verbannte, einmal im Präsidentenpalast residiert. Das Tragen eines Kopftuchs in Behörden und Schulen ist in der Türkei seither verboten.

„Das ist ihre persönliche Vorliebe“, bemüht sich Abdullah Gül zu beschwichtigen. Schließlich gehe es nicht um seine Frau, sondern um den Präsidenten. Aber mit einem Amtsantritt Güls wird die Kopftuchdebatte erst richtig losgehen. Schon am Donnerstag steht die Probe aufs Exempel bevor: Der neu gewählte Präsident wird zu einer wichtigen Militärzeremonie erwartet, bei der Kopftücher nicht erlaubt sind. Die Streitkräfte, die sich als Verteidiger des laizistischen Erbe Atatürks sehen, haben bereits klar gemacht, dass sie auch für den Präsidenten keine Ausnahme machen wollen.

Den Militärs gilt ein Auftreten einer Präsidentengattin mit islamischen Kopftuch als symbolträchtiger Schlag gegen die Verfassung. Dass es bei der Kleiderfrage auch um den Machtkampf zwischen alter und neuer Elite geht, gibt dem Streit zusätzlich Nahrung.

Hayrünnisa Gül trägt die „Hijab“ als religiöses Zeichen schon seit Kindeszeiten. Heute ist es für die 42-Jährige eine Frage der Entscheidungsfreiheit. Als ihr 1998 wegen ihrer Kopfbedeckung die Einschreibung an der Universität Ankara verwehrt wurde, klagte sie beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gegen das Kopftuchverbot.

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