Donald Trump beim Economic Club of New York
Eine Zukunft aus Kohle und Stahl

Donald Trump stellt dem Economic Club of New York sein Wirtschaftskonzept vor und blickt dabei in die Vergangenheit. Er verspricht eine heile Welt, in der die USA sich selbst genügt und Wirtschaft vor allem Industrie heißt.
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New YorkDer Ballsaal im Waldorf Astoria, der mit seinen zwei Rängen und kleinen Logen an ein Opernhaus erinnert, ist gefüllt - mit ökonomisch gebildeten und gut betuchten Gästen. Der Economic Club of New York, der auf mehr als 100 Jahre Tradition zurückblickt, hat die beiden US-Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump eingeladen. Trump hat zugesagt. Bevor der auf die Bühne steigt, stellt ihn Mike Pence, den Trump zu seinem Stellvertreter machen will, als „den künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten“ vor und vergleicht ihn mit Ronald Reagan.

Zu Beginn seiner Rede freut sich der Kandidat der Republikaner über die neusten Umfrageergebnisse, nach denen er zur Demokratin Clinton aufgeschlossen hat. Doch dann geht er schnell über zu seinen wirtschaftlichen Plänen.

Geschickt leitet er seine Vorstellung mit einer anschaulichen Schilderung der Stadt Flint in Michigan ein, die von Arbeitslosigkeit und Umweltschäden geprägt ist. Ford will dort eine Fabrik schließen und nach Mexiko verlagern. „Es ist eine Schande, dass unsere Politik so etwas zulässt“, sagt Trump. „Früher gab es in Mexiko keine Autofabrik und man konnte dort das Wasser nicht trinken, heute ist das der Zustand in Flint.“

Trump betont, dass er viele „großartige“ Amerikaner kenne, die keinen Job haben. Obwohl die US-Wirtschaft seit Jahren neue Stellen schafft, behauptet er, die „Regierung Obama-Clinton“ habe „Millionen Jobs verloren“. Ebenso wahrheitswidrig wirft er den Chinesen vor, „immer wieder drastisch ihre Währung abzuwerten“.

Sein Wirtschaftskonzept ist unrealistisch, aber auf den ersten Blick in sich stimmig. Er will Amerika abschotten gegen Importe, vor allem aus Mexiko und China. Deswegen sollen alle Handelsabkommen überarbeitet werden. Außerdem möchte Trump Auflagen für die Wirtschaft reduzieren; das gilt vor allem für den Energiebereich. Hinzu kommen niedrigere Steuern: Für Unternehmen soll der Satz von 35 auf 15 Prozent sinken.

So wird in seiner Phantasie ein Amerika neu entstehen, in dem es Millionen mehr Jobs als heute gibt, wo wieder Kohle abgebaut, Stahl geschmiedet und in neue Infrastruktur verbaut wird. „Amerikanische Autos auf amerikanischen Straßen, amerikanische Flugzeuge in der Luft, amerikanische Schiffe auf dem Meer“, ruft er der Menge zu, die während seiner Rede unter dem riesigen Kronleuchter mit klapperndem Geschirr zu Mittag isst.

Alles das zusammen – Protektionismus, Abbau von Auflagen, Senkung von Steuern – soll das Wirtschaftswachstum auf vier Prozent verdoppeln. Und damit kann er nach eigener Einschätzung trotz Steuersenkungen das staatliche Defizit abbauen und das Militär besser ausrüsten.

Trump, der Chef eines undurchsichtigen, von seinem Vater ererbten Immobilienkonzerns, stellt sich den Job im Weißen Haus so ähnlich vor wie den im Chefsessel seines Unternehmens. Wie eine Firma, die daniederliegt, will er die USA übernehmen und auf Effizienz trimmen. „Einen Cent vom Dollar rausholen“ kann man seiner Meinung nach überall bei den Kosten, und so möchte er die angebliche Verschwendung seines Vorgängers stoppen.

Interessant ist aber auch, wovon Trump nicht spricht. Der Finanzsektor kommt in seiner Rede nicht vor. Tech-Unternehmen ebenso wenig. Der gesamte Dienstleistungssektor, in dem zurzeit vor allem die neuen Jobs entstehen, scheint nicht zu existieren. Und die Tatsache, dass die Rückkehr von Industrie in die USA meist mit hoher Automatisierung verbunden ist, scheint ihm entgangen zu sein.

Kommentare zu " Donald Trump beim Economic Club of New York: Eine Zukunft aus Kohle und Stahl"

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  • „Bei der Frage, wer in Washington einen Wandel bewirken kann, führt in Umfragen Donald Trump mit 48 Prozent gegenüber 36 Prozent für Hillary Clinton“ steht heute (22.09.) im Handelsblatt.

    Nun haben wir ja alle nichts gegen ein bisschen Abwechslung, aber wichtiger dürfte ja wohl die Frage sein, in welche Richtung der herbeigesehnte „Wandel“ führen wird.

    Unter Trump jedenfalls wohl kaum in eine schönere Zukunft.


  • Herr Peter Petersen16.09.2016, 11:38 Uhr
    ich staune über die Kommentare hier.

    &
    ....
    Nur wer die Realitäten anerkennt ist bereit für die Zukunft

    ......................

    RICHTIG !

    Und wenn man sich genau anschaut was uns die Medien verkaufen in EUROPA...

    Und UNSERE KRITIK REVIDIEREN ODER SOGAR LÖSCHEN IM INTERNET


    DANN IST EUROPA DEMOKRATISCH ?????


    :-)))))))))))))))




  • DONALD TRUMP BEIM ECONOMIC CLUB OF NEW YORK
    Eine Zukunft aus Kohle und Stahl
    von:
    Frank Wiebe
    Datum:
    15.09.2016 21:52 Uhr
    Donald Trump stellt dem Economic Club of New York sein Wirtschaftskonzept vor und blickt dabei in die Vergangenheit. Er verspricht eine heile Welt, in der die USA sich selbst genügt und Wirtschaft vor allem Industrie heißt.

    ............................

    Da hat Herr TRUMP DOCH RECHT !!!

    Wie viele AUTOS IMPORTIERT USA AUS EUROPA ???

    Wenn Herr TRUMP WIEDER NUR US-AUTOS IN DEM USA VERKAUFT...wie viele Arbeitsplätzen gewinnt die USA dadurch ?????


    :-))))))))))))

    Und dann ADE EU !

    :-)))))))))))))))))))))))))))))


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