Doppelabschlüsse
Neuer Streit um Bilanzregeln

Der Streit zwischen der Europäischen Union (EU) und den USA um die gegenseitige Anerkennung ihrer Bilanzregeln geht in eine neue Runde. Die EU-Kommission will die US-Rechnungslegungsstandards GAAP nicht – wie ursprünglich angekündigt – bis Ende dieses Jahres den in der EU seit diesem Jahr angewandten International Financial Reporting Standards (IFRS) gleichstellen.

BRÜSSEL. „Es ist besser, diese Entscheidung zu verschieben“, sagte EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy in Brüssel. Hintergrund: Die US-Wertpapieraufsicht SEC will trotz jahrelanger Verhandlungen mit der EU-Kommission die IFRS-Regeln vorerst nicht anerkennen. McCreevy fürchtet erhebliche Wettbewerbsnachteile für die europäischen börsennotierten Unternehmen.

Zahlreiche in New York börsennotierte europäische Konzerne müssen derzeit wegen der fehlenden Konvergenz doppelte Abschlüsse vorlegen. In Deutschland sind allein 22 Konzerne betroffen. Nach Angaben der EU-Kommission kostet der GAAP-Abschluss jedes Unternehmen, das in den USA gelistet ist, bis zu zehn Mill. Euro zusätzlich im Jahr.

Mit der Verschiebung der Anerkennung der amerikanischen Accounting-Standards entspricht McCreevy einer dringenden Forderung der deutschen Wirtschaft. In einem Schreiben an die EU-Binnenmarktbehörde, das dem Handelsblatt vorliegt, warnt der Bundesverband Deutscher Banken, der Bundesverband der Deutschen Industrie und der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft vor einer „voreiligen“ Anerkennung von GAAP in Europa. Damit trete die EU „einseitig in Vorlage“. Klaus Bräunig, Mitglied der Hauptgeschäftsführung beim BDI: „Die Anerkennung muss auf Gegenseitigkeit beruhen.“

Die Verbände äußern in dem Schreiben Zweifel an einem Fahrplan, den McCreevy im vergangenen April mit der US-Wertpapieraufsicht ausgehandelt hatte. Danach wollte die EU GAAP ab 2006 in Europa anerkennen. Die USA sollten umgekehrt IFRS ab 2009 zulassen. Doch jetzt herrscht diesseits des Atlantiks die Sorge, dass die USA ihre Zusage nicht einhalten. Geschürt werden die Zweifel durch einschränkende Erklärungen der SEC. So besteht die Wertpapieraufsicht darauf, dass der Gleichstellung von IFRS Fortschritte in den Konvergenzbestrebungen der internationalen und US-amerikanischen Accounting-Gremien vorausgehen müssten. Auch müsse IFRS vor der Gleichstellung mit GAAP „konsistent angewendet“ werden, verlangt die US-Behörde. Solche Forderungen bestärkten die deutschen Unternehmen und die Finanzwirtschaft in dem Verdacht, die USA wollten sich nicht an den vereinbarten Fahrplan halten.

Im schlechtesten Fall, so warnen die Verbände, müssten die europäischen Konzerne über das Jahr 2009 hinaus aufwendige Doppelabschlüsse erstellen, während für amerikanische Unternehmen in Europa ein Abschluss nach US-GAAP ausreichend wäre.

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