Durchbruch in Forschung
EU findet Kompromiss zu Stammzellen

Die EU-Staaten haben sich auf einen Kompromiss zur Förderung der ethisch umstrittenen Stammzellenforschung geeinigt. Dabei konnte sich Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) nur teilweise durchsetzen.

huh BRÜSSEL. Schavan hatte gemeinsam mit einigen anderen Ländern gefordert, dass die EU keine Zuschüsse an Forschungsvorhaben mit embryonalen Stammzellen gibt.

Dieses umfassende Verbot fand im Ministerrat keine Mehrheit. Der Kompromiss sieht vor, dass wie bisher die Forschung an embryonalen Stammzellkulturen von der EU gefördert werden darf. Keine Zuschüsse gibt es allerdings für die Gewinnung dieser Stammzellen, da hierbei Embryonen vernichtet werden müssen. Schavan äußerte sich zufrieden mit dem Ergebnis. Sie habe durchgesetzt, dass die EU keine finanziellen Anreize zur Vernichtung von Embryonen gebe.

Mit dem Durchbruch im Streit um die Stammzellenforschung ist die wichtigste Hürde für den 54 Mrd. Euro umfassenden Forschungshaushalt der EU für die Jahre 2007 bis 2013 genommen. Das Europäische Parlament muss dem Kompromiss in zweiter Lesung noch zustimmen. Erst dann können die Fördermittel ausbezahlt werden.

Experten erhoffen sich von der Forschung mit embryonalen Stammzellen neue Therapien für schwere Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson. Kritiker wie die christlichen Kirchen lehnen die Forschung als ethisch verwerflich ab, weil menschliches Leben vernichtet werde. In Deutschland ist die Forschung an embryonalen Stammzellen grundsätzlich verboten. Verwendet werden dürfen nur Zellkulturen, die im Ausland und bereits vor 2002 angelegt wurden.

Ursprünglich wollte Schavan diese Stichtagsregelung auch für die Vergabe von Fördermitteln durch die EU durchsetzen. Österreich, Italien, Polen, Luxemburg, Malta, Litauen und der Slowakei hatten ebenfalls ethische Bedenken geäußert. Die Länder scheiterten damit aber an der Mehrheit ihrer Ministerkollegen.

Schavan gelang es nicht, wie geplant das Verbot der Tötung von Embryonen in den Förderregeln selbst festzuschreiben. Statt dessen musste sie sich mit einer Selbstverpflichtung der Kommission begnügen, die den Forschungshaushalt verwaltet. Darin heißt es, auf die Vernichtung menschlicher Embryonen angelegte Forschungsprojekte würden nicht unterstützt. Im Forschungsetat der EU hatten Projekte unter Verwendung embryonaler Stammzellen bisher nur geringe Bedeutung. Von 2000 bis 2005 gab Brüssel 72 Mill. Euro Zuschüsse für insgesamt neun Vorhaben.

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