Ebola-Hilfe für Westafrika
„Der Einsatz ist anders als alles zuvor“

Trotz fast 10.000 Ebola-Fällen und fast 5000 Toten läuft die Hilfe schleppend an. Es fehlt an Freiwilligen. Ingenieur Mario Lennartz ist einer von ihnen. Er spricht über die Angst, seine Arbeit und die größten Gefahren.
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DüsseldorfMario Lennartz ist einer von viel zu Wenigen. Der Diplom-Ingenieur fliegt am Wochenende als einer der ersten deutschen Helfer ins Ebola-Gebiet nach Sierra Leone. Lennartz und weitere 219 Freiwillige von insgesamt 520, die sich gemeldet hatten, hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) als geeignet für den Einsatz in den zwei Behandlungszentren des DRK in Sierra Leone und Liberia eingestuft. Das seien viel zu wenige, beklagt das DRK.

Die Zahl der Helfer reiche „bei weitem nicht aus, um die Kliniken über Monate hinweg zu betreiben“, sagte DRK-Präsident Rudolf Seiters der „Welt“. Zudem sei geplant, das Personal alle vier Wochen auszutauschen. Die Verhältnisse vor Ort beschrieb Seiters als „katastrophal“. In den am stärksten von Ebola betroffenen Ländern Sierra Leone, Liberia und Guinea sei die Gesundheitsversorgung „praktisch zusammengebrochen“.

Dringend gebraucht werden unter anderem Ärzte, Krankenschwestern, Labormitarbeiter, Elektriker und Logistiker. Lennartz wurde als einer der ersten Freiwilligen am Dienstag in Würzburg auf seinen Einsatz vorbereitet. Am Freitag flog er bereits nach Berlin, am Samstag geht es für den Diplom-Ingenieur des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik in Bonn (BSI) gemeinsam mit dem Münsteraner Arzt Joachim Gardemann weiter nach Westafrika.

Haben Sie keine Angst vor Ebola?
Mario Lennartz: Angst nicht, aber Respekt und eine gewisse Unruhe schon. Ich fühle mich zwar gut ausgebildet, aber es bleibt ja immer ein Restrisiko, dass ich erkranke. Ich habe auch mit meiner Partnerin über diese Gefahr gesprochen. Sie unterstützt mich aber in meiner Entscheidung, zu gehen. Dieser Einsatz ist etwas ganz anderes als meine Einsätze zuvor in Haiti und Pakistan.

Warum setzen Sie sich diesem Risiko aus?
In Westafrika haben wir ein riesiges Problem: Das medizinische System ist völlig überlastet. Wenn wir jetzt nicht helfen, bekommen wir ein Problem – auch in Deutschland. 

Trotzdem gehen viele andere nicht hin, um zu helfen.
Ich bin schon lange im DRK aktiv, organisierte verschiedene Aktionen, zum Beispiel die Blutspende. Aber so ein Auslandseinsatz ist etwas ganz anderes. In Pakistan etwa haben wir sofort gesehen, was unser Hände Arbeit bewirkt. Dort haben wir aus Deutschland zu dritt und mit lokalen Helfern die Trinkwasserversorgung für eine mittlere  Stadt – zwischen 50.000 und 70.000 Einwohnern – aus den Trümmern heraus aufgebaut. Darauf bin ich auch ein wenig stolz. Und wenn die Menschen dann endlich etwas zu trinken haben und uns anlächeln, dann... Das ist schwer mit Worten zu beschreiben.

Wie wurden Sie auf den Einsatz vorbereitet?
Bei einem zweitägigen Training, das das DRK gemeinsam mit „Ärzte ohne Grenzen“ in Würzburg organisiert hat, haben wir eine theoretische und praktische Schulung bekommen. Es ging um Fragen wie: Was ist anders als etwa im Umgang mit Cholera? Wie sind die Infektionswege? Warum ist Ebola so viel gefährlicher? Wie verhalte ich mich richtig?

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