Eigenes Label
Protektionismus „Made in France“

Frankreich will die heimische Industrie stärken. Helfen soll dabei ein neues Label, das den Anteil französischer Produktion ausweist. Industrievertreter sind alles andere als begeistert von Estrosis Etiketten-Plänen – denn die Pläne könnten nach hinten losgehen.
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PARIS. Die Rentenreform ist noch nicht in trockenen Tüchern, da wendet sich Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy bereits der nächsten Großbaustelle zu: der Industriepolitik. „Dies ist ein großes Thema“, befand jüngst der Staatschef, „und in meinen Augen mindestens genauso wichtig wie die Frage der Rente.“

Sarkozys zur Schau gestelltem Handlungswillen zum Trotz verliert Frankreichs Industrie seit Jahren an Boden. 600 000 Jobs hat sie in den vergangenen zehn Jahren abgebaut. Stammten 1999 noch 66 Prozent aller in Frankreich konsumierten Produkte aus der Heimat, fiel der Anteil 2009 auf 62 Prozent. Frankreichs Autoindustrie produziert zum Beispiel seit langem lieber im Ausland; seit 2008 importiert Frankreich daher mehr Autos, als es exportiert.

Sarkozys Industrieminister Christian Estrosi will das nicht länger hinnehmen. Er bereitet derzeit ein neues Herkunfts-Label vor; Arbeitstitel „made in France“ oder in Französisch „Marque France“ (Marke Frankreich). Dabei sollen die Hersteller gezwungen werden, den Anteil der französischen Produktion am Endprodukt auszuweisen, etwa bei Autos. Das Prinzip: je mehr vom Endprodukt aus der Heimat stammt, umso mehr Sterne gibt es.

Protektionismus? Für Minister Estrosi ist das kein Schimpfwort. Bis Ende des Jahres sollen die Details des Labels festgezurrt werden, heißt es aus Estrosis Umfeld.

„Wir wollen nur die Konsumenten über die Herkunft der Produkte genau informieren“, verteidigt ein Berater Estrosis die Pläne. Er räumt dabei ein, dass das neue Herkunftslabel dazu führen dürfte, dass ein Toyota Yaris mehr Sterne bekommt als ein Renault Clio; denn den Yaris baut Toyota im nordfranzösischen Valencienne, die meisten Clios stammen dagegen aus der Türkei.

Estrosi hat mit seinem Herkunftslabel offenbar den Erfolg des Labels „made in Germany“ im Hinterkopf. 1887 hatte das britische Parlament beschlossen, dass Importartikel künftig einen Hinweis auf das Ursprungsland tragen müssten, um Verwechslungen mit englischen Waren zu vermeiden. Der Schuss ging bekanntlich nach hinten los; „made in Germany“ wurde ein Inbegriff für Qualität.

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