Eine Einigung im Streit um den EU-Haushalt gilt als unwahrscheinlich
Schröders Traum als Retter Europas

Als die 25 EU-Staats- und Regierungschefs am Donnerstagmittag in Brüssel einschwebten, hatten die meisten mit pessimistischen Untertönen schon die Grundstimmung für den Gipfel vorgezeichnet. Nur der deutsche Kanzler zeigte sich noch bei seiner Regierungserklärung im Bundestag auffallend kämpferisch. „Es wäre wunderbar“, sollte ein Kompromiss für das Finanzpaket von 2007 bis 2013 erreicht werden.

HB BRÜSSEL. Schließlich, so redete Gerhard Schröder seinen Kollegen ins Gewissen, müsse die EU nach den gescheiterten Verfassungsreferenden in Frankreich und den Niederlanden ein „Signal der Handlungsfähigkeit“ aussenden. Deutschland – und damit ihm selbst – komme dabei eine besondere Verantwortung zu.

Kein Wunder: Seit Tagen macht Schröder Europa zu einem der Topthemen seiner Auftritte – nicht nur im Bundestag, sondern auch bei der IG Metall oder der Bootsfahrt mit dem Seeheimer Kreis der SPD. Der Grund dafür ist zum einen, dass Schröder in der Rolle des Europa-Kanzlers eine Chance sieht, sich im Wahlkampf von seiner Konkurrentin Angela Merkel abzusetzen. Dabei würde eine Gipfel-Einigung zumindest über die Finanzen gerade recht kommen. Zum anderen aber treibt Schröder ähnlich wie bei innenpolitischen Reformen zunehmend der Wunsch, der Nachwelt zumindest als verantwortungsvoller Staatsmann in Erinnerung zu bleiben. Die „Rettung“ Europas erscheint ihm dabei als durchaus lohnendes Ziel. Deshalb will er im Wahlkampf offensiv ein doppeltes Ja zur weiteren europäischen Integration und Erweiterung vertreten.

Um 2005 auf dieser Position anzukommen, ist Schröder allerdings einen langen Weg gegangen. Denn er war 1998 als Kanzlerkandidat mit europakritischen Tönen in den Bundestagswahlkampf gegen den großen Europäer Helmut Kohl gezogen – und hatte noch dagegen gewettert, dass deutsches Steuerzahlergeld in Brüssel „verbraten“ werde. Jetzt jedoch hat Schröder selbst die Rolle des überzeugten Europäers übernommen und deutet an, dass Deutschland für einen Kompromiss in Brüssel auch ein paar Hundert Millionen Euro mehr zum EU-Etat beisteuern würde.

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