Einreiseverbot
Trump zerstört Träume von Somaliern

Salad Rage Salah wollte in den USA Lastwagen fahren. Das war seine Vorstellung von Freiheit nach seinem bisherigen Leben in einem Flüchtlingslager. Trumps Einreiseverbot hat seine Hoffnung zerstört.
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Nairobi„Ich habe kein Leben, keine Hoffnung“, sagt Salad Rage Salah. Er sitzt in einem Transitzentrum in Kenias Hauptstadt Nairobi. Alles, was der 29-jährige Somalier noch besitzt, ist in einen Koffer gepackt. 25 Kilogramm. So viel hätte er in die USA mitnehmen dürfen.

Jetzt wird sein Gepäck nach Sprengstoffen durchsucht und abgewogen. Nicht für den Flug nach Kansas im US-Bundesstaat Missouri, sondern die Reise zurück in das Flüchtlingslager in Kakuma, im Norden Kenias. Nachdem US-Präsident Donald Trump ein Einreiseverbot für mehrere islamische Länder verordnet hat, sieht es für Somalier schlecht aus - trotz Visums.

Es geht ein wenig chaotisch zu auf dem Parkplatz des Geländes, das von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) geleitet wird. Mehr als 100 Flüchtlinge sind in dem Transitlager. Koffer werden in einen Lastwagen gehoben. Dann werden sie wieder herausgezerrt. Sie müssten noch einmal kontrolliert werden, sagt eine junge Somalierin erklärend und rollt mit den Augen.

Salah war zwei Jahre alt, als seine Eltern ihn aus Somalia nach Dadaab brachten. Dadaab ist das größte Flüchtlingslager der Welt im Nordosten Kenias. Derzeit leben dort nach Angaben der Vereinten Nationen rund 275 000 Menschen, die größtenteils aus Somalia stammen. Salah kam 1992, kurz nach dem Fall des Regimes von Siad Barre, als Somalia in einen blutigen Bürgerkrieg verfiel. 16 Jahre später wurde er umgesiedelt, in Kenias zweitgrößtes Flüchtlingslager nach Kakuma. Seine Eltern waren in Dadaab gestorben.

Christelle van Rosmalen vom UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) in Dadaab sagte bereits in der vergangenen Woche, dass alle IOM-Flüge für somalische Flüchtlinge gestrichen wurden. Für die kommenden Monate würden Verfahren zur Aufnahme von Flüchtlingen in den USA stillgelegt. Hinzu kommt, dass die kenianische Regierung plant, Dadaab in den kommenden Monaten aufzulösen.

Salah hätte bereits 2012 in die USA reisen sollen. Damals wie heute hatte er ein Ticket und wartete in Nairobi auf den Abflug. Dann gab es noch ein letztes Gespräch mit einem Arzt, um seinen Geisteszustand zu testen. „Er fragte mich so Dinge wie: „Wie viel sind 1000 minus 7? Und ich musste Gegenstände, die auf dem Tisch lagen, benennen“, erzählt er unter kopfnickender und murmelnder Bestätigung der Umstehenden. „Immer wieder.“

Er weiß nicht mehr, wie oft er die Worte Stift, Notizblock, Telefon, Computer, Stift, Heftklammer, Stift, Papier - wiederholt hat. Am Ende hätten sie ihm gesagt, dass er psychisch labil sei. Es ging wieder zurück nach Kakuma.

Die Umstehenden lachen. „Ich wurde auch für verrückt erklärt“, ruft ein anderer junger Mann und löst noch größeres Gelächter aus. Er habe Farben von Gegenständen zu langsam identifiziert - und manchmal habe er auch falsch geantwortet. Dass er farbenblind ist, habe er selbst nicht gewusst. Das neue Verfahren hätte wiederum Jahre gedauert.

Als Salah am nächsten Morgen aufbricht, ist es noch dunkel. In Kakuma wartet nichts auf ihn. Er habe Bekannten seine Bleibe überlassen, eine einfache Lehmhütte mit Wellblechdach, als er Kakuma am 23. Januar verließ, erzählt er.

Seither haben diese für ein paar Euro seine Matratze verkauft. Auch das Wellblechdach ist inzwischen weg. Er werde heute wohl auf dem Lehmboden schlafen, erzählt er nach seiner Ankunft in Kakuma am Telefon.

Seine Karte für Lebensmittelrationen habe er gleich bei der Ankunft in dem Flüchtlingslager wieder erhalten, ruft er gegen den Lärm im Hintergrund an. Hoffnung mache ihm das keine.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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