Ende eines Polit-Phänomens
Bye-bye, Sarah Palin

Gouverneurin, Tea-Party-Ikone, Fernsehstar: Das Phänomen Sarah Palin hat jahrelang die US-Politik fasziniert. Doch die schrille Republikanerin versinkt in der Bedeutungslosigkeit. Sie passt nicht mehr in die Zeit.
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„Sarah wer?“ – selbst fleißige Beobachter der amerikanischen Politik mussten erst einmal googeln, als Sarah Palin im Sommer 2008 die nationale Bühne betrat. Doch sehr schnell, nachdem der damalige Präsidentschaftskandidat John McCain die Gouverneurin aus Alaska zu seiner Vize machte, wurde Palin zur Lieblingsfigur der Medien in den USA und auf der ganzen Welt. Man liebt sie, man hasst sie oder macht sich über sie lustig – dazwischen gibt es nichts.

Palin zog mehr Zuhörer an als McCain selbst, und nicht einmal die Wahlniederlage konnte ihre Popularität schmälern: Sie lebte als Gallionsfigur der Tea Party fort, und regelmäßige Auftritte im konservativen TV-Sender Fox News sicherten ihr nationale Aufmerksamkeit. Ihre schrillen Meinungsäußerungen, ihr Wortsalat, ihre Attacken auf Präsident Barack Obama, das garantierte Zuschauer. „Sie war heiß und brachte Quote“, so der legendäre Satz von Fox-News-Chef Roger Ailes.

Doch die ruhmreichen Zeiten sind nun vorbei. Wie Ende vergangener Woche bekannt wurde, haben sich Fox News und Palin nach drei Jahren voneinander getrennt. Über Gründe und Details wird geschwiegen, es heißt, der Sender habe ihr einen neuen Vertrag angeboten – allerdings nur für einen Bruchteil des bisherigen Honorars. Palin soll zuvor rund eine Million Dollar pro Jahr bekommen haben.

Die Trennung von Fox News, der ihr einst in ihrem Heimatstädtchen Wasilla ein eigenes Studio bauen ließ, ist der vorläufig letzte Schritt der Republikanerin in die allmähliche politische Bedeutungslosigkeit. Bereits im vergangenen Jahr war sie, sehr zu ihrem Verdruss, immer seltener für TV-Auftritte gebucht worden. Ihre Meinung war einfach nicht mehr gefragt. Noch nicht einmal beim Nominierungsparteitag der Republikaner ließ man sie sprechen.

Palin habe eine Zeit in der amerikanischen Politik verkörpert, die „ziemlich schnell vorübergegangen ist“, urteilte Joe Scarborough, Republikaner und konservativer Moderator im TV-Sender MSNBC. „Die Parteioberen sehen das endlich ein“. Mit Parteioberen meint er auch den mächtigen Fox-News-Chef Ailes, der die konservative Bewegung im Grunde selbst gesteuert habe. „Wenn Ailes beschließt, sie ist den Ärger nicht wert, bedeutet das, der Konservatismus steuert in eine neue Richtung“, sagte Scarborough, der regelmäßig mit Kritik an der eigenen Partei auffällt.

Kommentare zu " Ende eines Polit-Phänomens: Bye-bye, Sarah Palin"

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  • " Das Phänomen Sarah Palin hat jahrelang die US-Politik fasziniert"
    Das ist der Beweis dass ein "Mussolini" auch in den USA möglich wäre!
    In Italien kommt er bald wieder wenn Deutschland stur bleibt.
    Das nennt man "Den Ast auf dem man sitzt sägen" glaube ich.

  • Schönes Buch zu diesem Thema:"Arme Milliardäre-Der große Bluff oder Wie die amerikanische Rechte aus der Krise Kapital schlägt"
    Dpe Republikaner sind sich für keine Dummheit zu schade,aber Sarah Palin war nochmal was besonders Heuchlerisches.Wie diese Tea Party die Tatsachen verdreht hat war schon ein Stück aus dem Tollhaus.

  • Sie wird wiederkommen! J.R. ist auch wiedergekommen.
    Sehr gut hat mir in dem Artikel die Formulierung "anti-intellektueller Habitus" gefallen. So kann man es natürlich auch nennen.

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